Dr. Attila Hevesi: Führer durch Lillafüred


Herausgegeben von der Stiftung Lillafüred
Redaktion: Éva Seres-Hartai




LILLAFÜRED UND UMGEBUNG

Seit 1892 wird der Ort, wo die Bäche Szinva und Garadna zusammenfließen, wo das Wasser des Letzteren in den von Friedrich Fassola zurückgestauten Hámori-See fließt, Lillafüred genannt. Er begann sich im letzten Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts mit der Unterstützung des damaligen Landwirtschaftsministers András Bethlen zu einem Kurort zu entwickeln, und erhielt von ihm zu Ehren seiner Frau, Lilla Vay ihren Namen.

Den "Schutzgeist des Ortes", seine damals noch fast ungestörte Stille und reine Luft begann Otto Herman, seine Sommer hier verbringend, schon Jahre zuvor regelmäßig zu genießen: er lebte und arbeitete ab 1890 in seinem "Haselmaus-Haus" (ungarisch "Pele-ház", heute Erzsébet-sétány 33).

Lillafüred liegt im östlichen Teil des Bükk-Gebirges, zwischen dem Ostrand der "Hochfläche" und dem NO-Rand des SO-Bükk, im Tal des Szinva-Baches in einer Meereshöhe von 300 bis 350 m. Von ersterer Seite wird es von der Anhöhe István-tetô (650 m), von der anderen von denen des Fehérkô-lápa-tetô (587 m) und des Jávor-hegy (626 m) eingerahmt (Fig. 1). Am nördlichen Ende, unter dem Palota-Hotel, wo der aus dem Stausee austretende Garadna-Bach und die Szinva zusammenfließen, grenzt es an die Siedlung Felsô-Hámor.

Das die Talsohle des engen Tales einnehmende Villenviertel Lillafüred ist hauptsächlich wegen seiner Höhlen und Wasserfälle, außerdem wegen dem Otto-Herman-Gedenkhaus und dem Hotel Palota bekannt.


SPAZIERGANG IN LILLAFÜRED: VOM "PELE-HÁZ" BIS ZUR ANNA-HÖHLE

Lillafüred läßt sich am leichtesten von Miskolc aus (wohin es verwaltungsmäßig auch gehört) mit dem Bus der Linie 5 erreichen. Von der Endstation gehen wir in östlicher Richtung über die Szinva-Brücke und erreichen sofort die Elisabeth-Promenade (Erzsébet-sétány), auf der wir nach links einbiegend in nördlicher Richtung unseren Spaziergang beginnen.

Wenn wir nicht nach Schneeschmelze im späten Winter oder im Vorfrühling oder nach anhaltenden und ausgiebigen Regenfällen ankommen, sehen wir unter der Brücke nur ein kahles, mit kantigen Steinen bestreutes Flußbett. Das Wasser der südlich Lillafüred im Tal entspringenden St. Jakob-Quellengruppe und der Szinva-Quelle wird seit der ersten Hälfte der 1970-er Jahre über eine Rohrleitung nach Miskolc geleitet und so ist das Flußbett im größten Teil des Jahres trocken.

Entlang der Elisabeth-Promenade, am rechten Ufer der Szinva flußabwärts spazierend erreichen wir nach 300-400 m Fußweg das "Pele-ház" (dt. "Haselmaus-Haus", Erzsébet-sétány 33) (Bild 1), das Otto Herman im Jahr 1890 erbauen ließ. Das Gebäude, in dem er dann bis zu seinem Tode im Jahr 1914 zahlreiche Spätfrühlinge, Sommer und Frühherbste verbrachte, ist heute ein anspruchsvoll eingerichtetes Museum. (Öffnungszeiten: täglich 10-18 Uhr, Montag geschlossen.)

Unseren Weg in N-licher Richtung fortsetzend gehen wir durch den Felstunnel der Landstraße und nach einigen hundert m erreichen wir auf der linken Talseite den Pfad, der zur Kalvarie von Lillafüred hinaufführt. Zwischen dem Pfad und der Talsohle verbirgt sich der natürliche, schlotartige Eingang der Szt. István-Höhle. Die Höhle ist täglich von 9-17 Uhr geöffnet.

Vorbei an der Szt.-István-Höhle gehen wir entlang der Landstraße in nördlicher Richtung weiter. Bald überqueren wir den größten Parkplatz der Siedlung, an dessen nördlichem Ende wir dem Wanderweg mit roter Markierung einschlagen. Wir begeben uns auf die andere Seite der Szinva und erreichen bald den Oberen (Kleinen) Wasserfall. Obwohl seine Höhe nur 8 m beträgt, kann seine Breite bei Hochwasser auch 2,5-3,5 m erreichen und dann bietet er einen herrlichen Anblick. Seitdem aber das Wasser der die Szinva speisenden Quellen in Leitungsrohre gezwängt ist, können wir uns dessen zumeist nur nach der Schneeschmelze, so um Mitte April, einige Tage lang erfreuen.

Weiter der roten Markierung folgend kehren wir auf das linke Ufer des Baches zurück und erreichen das Hotel Palota.

Eines der spektakulärsten Produkte der infolge der Weltwirtschaftskrise der 1920-er und 1930-er Jahre auch in Ungarn eingeführten öffentlichen Arbeiten war zweifellos das nach den Plänen Kálmán LUX (1880-1961) in den Jahren 1927-1930 erbaute Hotel Palota. Die Wandbilder und Glasfenster seiner schönsten Räume wurden von dem namhaften Maler und Graphiker Lajos HELBING (1870-1958) entworfen <kep_04.gif>. Der Gebäudekomplex mit seinem 8-geschoßigen Turm war von den 30-er Jahren bis 1945 eines der vornehmsten Hotels des Landes, obwohl im dritten Stock auch billige Touristenzimmer zur Verfügung standen. Nach dem II. Weltkrieg, bis 1992 war es das Erholungsheim des Landesrates der Gewerkschaften, seitdem ist es Eigentum der Nationalen Stiftung für Erholung und wird von der Hunguest GmbH betrieben. In der im Erdgeschoß befindlichen Lillafüred-Galerie werden jeden Monat neue, von der Stiftung Lillafüred organisierte Kunstausstellungen gezeigt, deren Eröffnungsfeier durch Sonntagskonzerte begleitet werden. Die Tradition der Kunstfreundlichkeit reicht bis in das Jahr 1933 zurück, in dem der Wirtschaftsverein der Schriftsteller hier seine fällige Tagung abhielt, als deren Gast der ungarische Dichter Attila JÓZSEF eines seiner schönsten Liebesgedichte, die "Ode" verfaßte.

Die Spazierwege und Treppen, die die Hängegärten des Hotels Palota verbinden,führen zum Unteren Wasserfall der Szinva und zu dem Eingang der neben ihm ausmündenden Anna-(Petôfi)-Höhle hinunter.

Der Untere Wasserfall strürzt am Nordrand der Kalktuffablagerungen der Szinva herab. Diese Ablagerungen bergen in sich die Hohlräume der Anna-Höhle und tragen auf ihrer Oberfläche die nördliche Hälfte der Siedlung.

Auf dem Hámori-See ist ein Kahnhafen in Betrieb, der täglich von 10-18 Uhr geöffnet ist. Während einer angenehmen Spazierfahrt im Kahn können wir die den See umgebenden steilen Hänge bewundern.

Die Länge der Süßwasserkalkablagerung beträgt 600 m, seine größte Breite 200 m, seine größte Mächtigkeit (unter dem Hotel Palota) 40-45 m. Während der Garadna-Bach sein Bett immer tiefer einschnitt, geriet die Sohle des der Einmündung am nächsten gelegenen Abschnitts des Szinva-Tales, anstatt sich immer tiefer einzuschneiden, in eine immer höhere Lage. Dort, wo die beiden Täler zusammentreffen, d.h. am Nordrand der Süßwasserkalkablagerung, stürzt der "Untere Wasserfall" in die Tiefe und mit seiner 20 m betragenden Höhe Ungarns höchster Wasserfall - in unseren Tagen leider nur mehr in den besonders niederschlagsreichen Abschnitten des Jahres.

Die Anna-Höhle unterscheidet sich, da sie in jungem Süßwasserkalk entstanden ist, wesentlich von den Tropfsteinhöhlen, die sich in älterem, im Meer abgelagertem Kalkstein ausgebildet haben. Statt großen Sälen, mächtigen Tropfsteinsäulen können wir hier Süßwasserkalkbildungen bewundern, die uns an die Leichtigkeit, an den Reichtum, an den bis ins Kleinste zisellierten Schmuck der Aragonit- und Gipsbildungen der Thermalwasserhöhlen erinnern. Von der Decke der vielgestaltigen Räume (Fig. 2) hängt ein feingefranster versteinerter Vorhang aus kalküberzogenen Algen- und Moosfäden herab. Stellenweise reihen sich Hunderttausende von winzigen Kalksinterkügelchen aneinander, anderswo haben versteinerte Blätter, Grashalme, Äste oder ihre Abdrücke das Andenken der Pflanzenwelt der jüngsten Jahrtausende bewahrt. Die Mehrzahl der kleineren Hohlräume entstand an der Stelle großer, in das Gestein eingeschlossener Baumstämme, nachdem diese verwest sind (Fig. 3). Um die Entstehung der großen Räume zu verstehen, müssen wir uns den Zustand der Zusammenmündung des Szinva- und des Garadna-Tales noch vor jedem menschlichen Eingriff vor Augen führen. Bis zum 19. Jahrhundert änderten die Wasserfälle der Szinva, sich verästelnd, in der vollen Breite des Hotels Palota ständig ihre Lage. Die am Rand der Wasserfälle angesiedelten Algen- und Moosmatten wurden von dem strömenden Wasser in ein Flechtwerk gekämmt und mit einer hellgelben Kruste von dem sich ausscheidenden Kalk überzogen. Die Oberkanten der Wasserfalltreppen ragten immer weiter vor. Die Moose und Algen versuchten durch erhöhtes Wachstum den selbstgefertigten Panzer loszuwerden. Die verkalkenden und immer dicker werdenden Geflechte verlängerten sich zu einem sich dachartig herabneigenden Vorhang, dessen unteres Ende langsam den Fuß des Wasserfalles erreichte, so daß dahinter stattliche überwölbte Räume entstanden (Fig. 4). Das Vorspringen und dachartige Herunterhängen der Oberkante des Unteren Wasserfalles ist draußen an Ort und Stelle auch heute gut zu beobachten.


SPAZIERGANG IN HÁMOR: VON DER ANNA-HÖHLE BIS ZUR FELSNISCHE VON PUSKAPOROS

Wenn wir aus der Anna-Höhle ans Tageslicht treten und einige Schritte den Weg hinuntergehen, befinden wir uns schon in Felsô-Hámor.

Spazieren wir nun der Markierung K+ (ein blaues Plus-Zeichen) folgend von der Anna-Höhle ausgehend durch Felsô-Hámor. Wir überqueren die Szinva, biegen nach rechts ein und gelangen zum einstöckigen Gebäude der einstigen Kanzlei (Ende des 18., und 19. Jahrhundert), das jetzt dem Zentralen Hüttenmuseum Platz gibt. Ihre mit mustergültiger Sorgfalt eingerichteten Räume verwahren treu die Andenken aus der Pionierzeit des heimischen Eisenhüttenwesens (geöffnet: täglich 10-17 Uhr, Montag geschlossen).

Weiter der Markierung K+ folgend gelangen wir nach dem Standbild des Königs Hl. Stephan (eine Arbeit von Dezsô BORSODI BINDÁSZ) zur röm. kath. Kirche der Gemeinde. Vor der Kirche steht die Statue des Hl. Johannes von Nepomuk, die im Jahre 1806 von Barbara FASSOLA gestiftet wurde. In östlicher Richtung weitergehend, machen wir am Ende von Felsô-Hámor eine scharfe Wendung nach rechts und noch immer der Markierung K+ folgend kehren wir in SW-licher Richtung auf das rechte Ufer der Szinva zurück. Die Markierung K+ führt hier bald nach links, wir aber gehen zu dem von hier aus schon gut sichtbaren Friedhof.

Im Friedhof von Felsô-Hámor erinnern noch einige schöne in deutscher Schrift beschriftete gußeiserne und geschmiedete Kreuze <kep_07.gif> aus dem vorigen Jahrhundert an die einstige Eisenindustrie. Hier ruht auch der Fabrikgründer Heinrich FASSOLA, sein Grab ist aber leider nicht mehr aufzufinden. Seinen letzten Willen erfüllend wurden auch die sterblichen Überreste von Otto HERMAN hier beigesetzt. Neben seinem Grabmal erhielt seine letzte Ruhestätte István VÁSÁRHELYI (1889-1968), der bekannte Forscher der Tierwelt des Bükk-Gebirges <kep_08.gif>.

Aus dem Friedhof kehren wir entlang der Markierung K+ zum unteren Ende von Felsô-Hámor zurück, das schon beinahe am oberen Eingang zur Talenge von Hámor des Szinva-Baches liegt.

Die Talenge von Hámor ist eine der schönsten Felsschluchten im Bükk-Gebirge <kep_09.gif>. Während talaufwärts und talabwärts die Talhänge hauptsächlich aus lockereren Gesteinen wie Tonschiefern und dünnschichtigen Karbonatgesteinen bestehen, tritt hier auf beiden Seiten massiger, dickbankiger, widerstandsfähiger Kalkstein zutage. Als die Szinva dieses Gestein erreichte, hat sie aller Wahrscheinlichkeit nach einen kurzen Höhlentunnel durchbrochen, dessen unteres Ende in den sich ausweitenden Talabschnitt von Alsó-Hámor mündete. Die langsame Heraushebung des Gebirges ging mit der Austiefung des Höhlenganges einher und die immer höher liegende Überdachung wurde durch die Zerkleinerung - wohl während der Eiszeiten - angegriffen und dann zum Einsturz gebracht (Fig 4a). Die Schlucht war ursprünglich enger, bei dem Bau der Landstraße Lillafüred-Miskolc wurde sie aber an einigen Stellen durch Sprengungen ausgeweitet und das Bett des Baches durch eine Steinmauer abgesichert.

Von Felsô-Hámor kommend türmt sich vor uns zuerst die gewaltige, senkrechte, stellenweise überhängende Kalksteinfassade des oberen Schluchteingangs auf. Auf den Felswänden, besonders auf der linken Seite, sieht man häufig Alpinisten, die sich im Felsenklettern üben. Da die Schlucht eng und der Autoverkehr relativ rege ist, empfiehlt es sich, talabwärts auf dem linken Straßenrand zu bleiben. Etwa im mittleren Abschnitt der Schlucht verkündet auf der rechten Felswand eine Marmortafel das Andenken des aus Hámor gebürtigen Forstfachmannes, des Gelehrten und Pädagogen Jenô VADAS. Weiter talabwärts, in der Nähe des unteren Endes der Schlucht verengt sie sich noch mehr, hier kann man sich davon ein Bild machen, wie diese enge Schlucht in der Zeit vor dem Bau der Landstraße ausgesehen haben mag. Die innere Felswand des unteren Schluchteinganges ist wegen vier hier ausmündenden Felslöchern bekannt: dies sind die Otto-Herman-Höhle, die Szinvaszorosi-Höhle, sowie die Otto-Herman-Felsnische und die Puskaporosi-Felsnische.

Auf der linken Seite der Schlucht beträgt die Gesamtlänge der Otto-Herman-Höhle, deren Mündung im Niveau der zurückgestauten Wasseroberfläche der Szinva liegt und der darüber ausmündenden Otto-Herman-Felsnische 70 m, sie ist im Grunde genommen eine kurze Quellhöhle. Die über diesen in 8-10 m Höhe klaffende Puskaporosi-Felsnische, die von unten nur mit Hilfe einer Leiter, von oben mit einem Seil zu erreichen ist, stellt einen einzigen Strudeltopf von 8-10 m2 Fläche dar, der einst von dem in diesem Niveau fließenden Szinva-Bach ausgehöhlt wurde (Bild 9a). Vor die weite Mündungsöffnung der ihnen gegenüber liegenden, nur 18 m langen Szinvaszorosi-Höhle wurde ein Haus gebaut, ihr von einer kleinen Doline ausgehender brunnenartiger oberer Eingang hat sich verstopft. Wer auf die die Höhlenmündungen tragenden Felswände des unteren Schluchteinganges aus der Vogelperspektive einen Blick werfen möchte, der kann, von oben kommend noch vor der Szinvaszorosi-Höhle, auf die linke Felswand hinaufklettern. Besonders nach Abfall der Blätter im Herbst und vor dem Ausgrünen im Frühling ist es ein herrlicher Anblick.

Die in den Höhlen gefundenen Keramik-Bruchstücke aus der Neusteinzeit, aus der Bükk-Kultur, aus der Bronzezeit, aus der frühen Eisenzeit und der Latènezeit (keltisch) bezeugen, daß die Höhlen auch später öfters vom Menschen aufgesucht wurden.

Nachdem wir die Talenge von Hámor verlassen haben, gelangen wir bald nach Alsó-Hámor. Von hier können wir von der ersten Autobushaltestelle aus zurück nach Lillafüred oder nach Miskolc fahren.


WANDERUNGEN IN DER UMGEBUNG VON LILLAFÜRED


1.
Wanderung: Lillafüred - Szeleta-barlang (Szeletahöhle) - Szeleta-tetô (Szeleta-Anhöhe) - Büdös-pest (Büdös-pest-Höhle) - Forrás-völgy (Forrás-Tal) - Kecske-lyuk (Kecske-Loch) - Csanyik-völgy (Csanyik-Tal)

etwa 8 km, 3-3,5 Std.

Von Lillafüred, von der NW-Seite des Hotels Palota ausgehend beginnen wir unsere Wanderung entlang der über den Damm des Hámori-Sees führenden Landstraße in N-licher Richtung bis zur Stelle, wo die Straße nach Ómassa abzweigt, von hier aus folgen wir dann dem mit einem roten Quadrat (P[]) markierten Wanderweg. Unmittelbar nach der Straßenbiegung steht eine gußeiserne Säule zum Andenken an den Besuch des Palatins Joseph im Jahre 1847. (Wegen dem großen Verkehr ist es von hier an ratsam, am linken Straßenrand zu gehen.) Wir passieren den in die quer zur Straße verlaufende, mächtige Kalkstein-Schichtrippe gehauenen Tunnel und verlassen die Landstraße, uns an die Markierung P[] haltend, nach links und klettern entlang der Sohle eines trockenen Tales bis an den S-lichen Rand der Szeleta-Anhöhe (330-350 m) hinauf. Uns nach rechts, gegen O wendend, am mit Sträuchern bewachsenen Felsrand der Anhöhe, wo der Pfad sich nach N bzw. NO wendet, erreichen wir die nach rechts führende Abzweigung, die mit einem roten Höhlenzeichen P_()_ markiert ist. Dieser Markierung folgend, gelangen wir in einigen Minuten zur Szeleta-Höhle hinunter.

Von der Höhle kehren wir entlang der Markierung P_()_ zum Pfad mit der Markierung P[] zurück und gelangen, ihm in N-licher Richtung folgend, in kurzer Zeit zur Szeleta-Schachthöhle.

Die Oberfläche der Szeleta-Anhöhe wird hier in einem kleinerem Gebiet von wasserundurchlässigen, nicht verkarsteten Gesteinen bedeckt, von wo aus einige Täler zeitweilig aktiver Wasserläufe auf den Kalkstein auslaufen. Ihnen verdankt die Szeleta-Schachthöhle (Fig. 7), die mit ihrer Tiefe von 87 m eine der ansehnlichsten Schluckhöhlen auf der Kleinen Hochfläche (ung. Kisfennsík) ist, ihre Entstehung und erhält durch sie eine fallweise Wasserzufuhr. Der Einstieg erfordert entsprechende Ausrüstung und große Erfahrung.

Einige hundert m N-lich von der Schachthöhle trifft die Markierung P[] auf den einfach mit Rot (P) markierten, in O-W-licher Richtung verlaufenden Waldweg, und verläuft auf einer Strecke von etwa 500 m in Richtung O-NO mit ihm zusammen. Danach verselbständigt er sich wieder, indem er nach links (nach N) abzweigt und über den O-lichen Rand der Dolka-Anhöhe (398 m) in das Forrás-Tal hinabführt. Noch bevor er die Talsohle erreichen würde, können wir auf dem links abzweigenden, mit P_()_ markierten Pfad zur Büdös-pest-Höhle spazieren.

Der gewaltige, gewölbte Eingang (Bild 11) der Büdös-pest-Höhle (das Wort "pest" ist slawischen Ursprungs und eine seiner Hauptbedeutungen ist "Höhle") öffnet sich auf der S-lichen Seite des unteren Abschnitts des Forrás-Tales, 42 m über der Talsohle. Er besteht aus einem einzigen, 36 m langen, im Durchschnitt 5 m breiten und 3 m hohen Saal, an dessen hinterem Ende ein weiträumiger, brunnenartiger Schacht gegen den Himmel blickt (Bild 11a). Es ist nicht auszuschließen, daß er früher, als er sich noch in einer Höhe mit der Talsohle befand, durch den dort fließenden Bach ausgehöhlt wurde. Ottokar KADIC begann hier seine ersten Probeausgrabungen im Jahre 1906, damals ohne Erfolg. Später, in den Jahren zwischen 1913 und 1927 kamen aber neben Knochen des Höhlenbären, der Höhlenhyäne, des Mammut, des Riesenhirsches und des Auerochsen 250 ausgearbeitete Steingeräte aus dem Kulturkreis des Moustérien und des Seletien sowie etwa 10000 bearbeitete Steinsplitter zum Vorschein. Die neusteinzeitliche Bükk-Kultur wurde hier neben Keramik- und Knochenwerkzeug-Funden auch durch ein ziemlich vollständiges weibliches Skelett vertreten. SW-lich vom Höhleneingang, am Büdös-pest-Talhang mündet die mit Erbsensteinbildungen reich geschmückte, 20-25 m tiefe Büdös-pest-Schachthöhle.

Von der Büdös-pest-Höhle kehren wir auf den mit P[] markierten Weg zurück und gehen in das Forrás-Tal hinunter, auf dessen Sohle unser Pfad in die Markierung P+ (rotes Plus-Zeichen) einmündet. Nach rechts einbiegend verfolgen wir das Tal abwärts, das sich bald zu einer Felsschlucht verengt. Auf der linken Seite der Schlucht, kaum 1 m über der Talsohle befindet sich die Mündung des Kecske-Loch (eigentlich Ziegen-Loch, ung. Kecske-lyuk). Nach wirklich anhaltenden Regenfällen, starken Schneeschmelzen ist diese Höhle auch in unseren Tagen eine zeitweise aktive, einen Wasserlauf führende Quellhöhle. Sie besitzt eine Länge von 400 m, die Seitenwände des nach innen immer enger werdenden Höhlenganges werden durch Terrassenreste unterteilt, die Decke wird durch ziegeneuterförmige Stalaktiten geschmückt. Während der Ausgrabungen vor der Höhlenmündung fand Ottokar KADIC im Jahre 1926 sehr viele der Bükk-Kultur angehörende, mit Linienverzierung versehene Keramikscherben und im Inneren der Höhle entdeckte und beschrieb Elemér BOKOR den blinden Laufkäfer Duvalius Gebhardti.

Talabwärts vom Kecske-Loch weitet sich das Forrás-Tal bald aus. Von rechts lassen wir das Gebäude des zur Fassung der Quelle Király-kút gebauten Wasserwerkes hinter uns. Seitdem das Wasser in eine Rohrleitung gezwungen wurde, erinnert nur mehr der Namen der vor 4 Jahrzehnten noch frei ausfließenden ergiebigen Karstquelle daran, daß der von der Burg Diósgyôr aus auf Jagd ausziehende König Ludwig der Große (1342-1382) hier oft mit seinem Gefolge ausruhte oder gar Mahlzeit hielt. In der immer breiter werdenden Talmündung lassen wir dann ebenfalls von rechts die Ampullenfabrik der Firma CHINOIN hinter uns, die erst vor kurzer Zeit in die Betriebsgebäude der einstigen Kryptonfabrik, die eine der ersten Betriebe Europas zur Edelgasherstellung war, einzog. Kaum 100 m vom Fabrikgebäude entfernt führt die Markierung P+, zusammen mit dem sich anschließenden, mit einem grünen Plus-Zeichen (Z+) markierten Wanderweg in den unteren Abschnitt des Csanyik-Tales, das nach einigen hundert Metern in das Szinva-Tal mündet.

Von der Mündung des Csanyik-Tales aus können wir mit dem Bus der Linie 5 je nach Belieben nach Diósgyôr oder nach Lillafüred weiterfahren.


2.
Wanderung: Lillafüred - Szeleta-barlang (Szeletahöhle) - Bedô-Albert-hegy (Albert-Bedô-Berg) - Molnár-szikla (Müller-Felsen) - Csanyik-völgy (Csanyik-Tal)

etwa 4,5-5 km, 1,5-2 Std.

Unser Weg ist bis zum SO des Dolka-Berges mit dem ersten Abschnitt der 1. Wanderung identisch. Von dort folgen wir aber nicht der Markierung P[], die in das Forrás-Tal hinunterführt, sondern erreichen, in O-licher Richtung weiter der einfachen roten Markierung (P) folgend, nach kurzem, sanftem Anstieg, dann Abstieg und wieder Anstieg den Albert-Bedô-Berg (337 m). Der Pfad führt von hier aus immer öfter am oberen Felsrand der linken Seite des Szinva-Tales, wo die aus Strauchwald und Rasen bestehende Vegetation die Aussicht gegen Lillafüred, Hámor oder Diósgyôr kaum oder gar nicht behindert. Rechts, ein wenig unter uns wird bald das Holzkreuz des Müller-Felsens (ung. Molnár-szikla) sichtbar <kep_12.gif>, wohin sich ein mit äußerster Vorsicht durchgeführter Abstieg, schon um des sich dort bietenden herrlichen "halben Rundblicks" willen, unbedingt lohnt.

Die Szeleta- und Dolka-Anhöhen, der Albert-Bedô-Berg sind die letzten Ausläufer der nach O hin immer tiefer liegenden und schmaleren Kleinen Hochfläche (ung. Kis-Fennsík) des Bükk-Gebirges und ihr felsiger S-licher Rand, der auch den Müller-Felsen trägt, fällt mit der oberen Kante des linken Talhanges der Szinva zusammen. Unter der Felswand am Bachufer waren noch zwischen den zwei Weltkriegen zwei Wassermühlen in Betrieb. Das Haus des Müllers, das in der Erzählung "Held der Volkslieder" von Mór JóKAI eine Rolle spielt, steht heute noch.

Vom Müller-Felsen wieder zum Pfad mit der Markierung P (rot) hinaufkletternd kommen wir durch einen gepflanzten Kiefernwald zur Einmündung des Csanyik-Tales hinunter, von wo aus wir unseren Weg mit dem Bus der Linie 5 nach Belieben in Richtung Lillafüred oder Diósgyôr fortsetzen können.


3.
Wanderung: Lillafüred (Szt.-István-Höhle) - Szt.-István-lápa (Szt.-István-Mulde) - Szt.-István-kilátó (Szt.-István-Aussichtspunkt) - Rovienka [Eszperantó-forrás] (Esperanto-Quelle)

etwa 7 km, 3 Std.

Unser Weg beginnt bei der Szt.-István-Höhle und führt uns zuerst in S-licher Richtung entlang der von Miskolc nach Eger führenden Landstraße. Wir passieren den in die vom Fehér-kô zum Szt.-István-tetô (Szt.-István-Anhöhe) weisende Kalkstein-Schichtrippe gehauenen Tunnel und nach einigen Dutzend Schritten erreichen wir die Stelle, wo ein breiter Waldweg ohne Markierung von der Landstraße nach rechts zur Szt.-István-lápa abzweigt. Quer über den auf der rechten, später auch auf der linken Seite von einem schlanken Jungwald begleiteten Weg fließt ein aus Tonschieferschichten heraussickerndes Rinnsal, später können wir rechts im Straßeneinschnitt stark gefaltete Tonschiefer- und Kalkschichten beobachten. Der Weg steigt sanft an und wir gelangen in die Flanke des Vesszôs-Tales, von wo aus sich ein herrlicher Anblick auf das Szinva-Tal und auf die Felsen des Fehér-kô bietet. Bald erreichen wir den im Vesszôs-Tal fließenden Bach, überqueren den mit Gelb (S) markierten Wanderweg und wenden uns, dem sanft ansteigenden Holzabfuhrweg folgend, in einer engen Kurve nach rechts, so daß wir nun im Vergleich zu unserer früheren Bewegungsrichtung gerade entgegengesetzt marschieren. Uns gegenüber sehen wir auf die Engstelle des Szinva-Tales zwischen dem Szt.-István-tetô und Fehér-kô hinunter. Von der Flanke des Vesszôs-Tales gelangen wir auf die linke Tallehne des Szinva-Tales hinüber, wo der Weg eine enge Linkskurve macht und wieder in die Flanke des Vesszôs-Tales zurückkehrt. Hier begegnen wir noch einmal der gelben (S) Markierung, machen wieder eine scharfe Wendung nach rechts und spazieren unter einem kalkliebenden Eichwald wieder auf dem zum Szinva-Tal führenden Hang. Die nächste Kurve des Waldweges ist nicht mehr so eng und der Weg gelangt nach einem Linksbogen zur Szent-István-lápa (St.-Stephan-Mulde) hinauf, wo der von uns benutzte Weg in einen ähnlichen Forstweg einbindet. Wir biegen nach rechts ein und gehen in N-licher Richtung weiter. Auf einer mit Gebüsch bewachsenen Lichtung lassen wir eine nach links führende Abzweigung hinter uns. In einem der Trichter der unseren Weg von links begleitenden, mit Nadelhölzern bepflanzten Dolinenreihe befindet sich die Mündung der Istvánlápai-Schachthöhle (Fig. 7a), die mit ihrer Tiefe von 250 m die tiefste Höhle des Landes ist. Ihr Eingang ist verschlossen, sie kann nur mit Genehmigung, mit einem Führer und mit entsprechender Erfahrung und guter Ausrüstung besucht werden! Am Ende der Dolinenreihe wendet sich unser Weg zuerst sanft, dann immer stärker nach rechts, um endlich unter violettroten, steilen Porphyritfelsen scharf nach links abzubiegen. Auf der rechten Wegseite beginnt nun ein Steingeländer, über das wir hinüberklettern und vorsichtig zu den Porphyritfelsen des Aussichtspunktes István-kilátó hinuntersteigen können. Unmittelbar unter uns sehen wir den Turm des Hotels Palota, dahinter - von Hámor bis zum Müller-Felsen - in das Szinva-Tal hinein. Ganz weit im N sind verlieren sich die Rauchfahnen der Stadt Kazincbarcika, im NO die von Diósgyôr in der Ferne.

Auf den Forstweg zurückgekehrt, setzen wir unseren Weg abwärts, in W-licher, dann in NW-licher Richtung fort. Nach etwa 1 km gelangen wir zu einem noch unlängst gebrauchten (oder gerade brennenden) Kalkbrennofen. Hier verlassen wir den forstwirtschaftlichen Holzabfuhrweg und biegen nach rechts auf den steil hinabführenden Waldweg ein. Auf der linken Seite berühren wir eine Windung der im Savós-Tal sich schlängelnden, von Lillafüred nach Szilvásvárad führenden Straße und folgen dem etwas nach rechts abbiegenden, sich später zu einem Pfad verengenden Weg unter gepflanztem Nadelbäumen weiter bergab. Auf der linken Seite sehen wir eine andere Windung der Landstraße. Unser im Zickzack weiterführender Pfad teilt sich später in zwei Richtungen. Wir nehmen den nach rechts führenden, weniger steilen Weg, der bald sanft zu steigen beginnt und zu der auf dem rechten Hang des Garadna-Tales, über dem Hámori-See liegenden (bevor die Blätter treiben, kann man auf das Wasser hinuntersehen) Raststätte bei der Esperanto-Quelle (mit ihrem ursprünglichen Namen Rovienka) führt. Das wohlschmeckende Wasser der Quelle fließt über einen selbstgebauten Kalktuffhügel in einem schlanken Wasserfall herab. Von der Quelle gelangen wir auf dem zurerst in derselben Höhe weiter- und in einiger Entfernung hinunterführenden oder aber auf dem gleich bei der Quelle sich nach unten schlängelnden Pfad zum Gleis der entlang des Hámori-Sees verkehrenden Kleinbahn.

Dem Südufer des Hámori-Sees folgend, auf dem Wanderweg mit den Markierungen P und K+ (Rot und blaues Plus-Zeichen) kommen wir, den Tunnel der Kleinbahn von links umgehend, nach Lillafüred zurück.


4.
Wanderung: Lillafüred - Fehér-kô-lápa (Weißer-Stein-Mulde) - Gulicska-tetô (Gulicska-Anhöhe) - Mély-völgy (Tiefes Tal) - Alsó-Hámor (Unter-Hámor)

etwa 5 km, 1,5-2 Std.

Von der Bahnstation Lillafüred der Kleinbahn ausgehend beginnen wir unsere Wanderung hinter dem Postamt über die Spazierwege des Parks, entgegen der Fließrichtung der Szinva, in S-licher Richtung. Nach dem Passieren des Parkplatzes spazieren wir über die Brücke der Szinva und betreten mit einer scharfen Wendung die Promenade, die als Wanderweg die Markierung Grün (Z) trägt. (Wenn wir mit dem Autobus der Linie 5 ankommen, können wir von der zweiten Haltestelle nach dem Hámori-See bis zur Brücke zurückspazieren.) Die mit einer Brüstung aus Stein gestützte Promenade führt am Fuße des Fehér-kô nach der scharfen Kurve in S-licher Richtung sanft aufwärts. Nach einem künstlich in den Fels gehauenen Tunnel lassen wir auf der linken Seite eine Felskapelle hinter uns, die den Namen "Lourdes-Höhle" trägt. Die Kapelle ist der wundertätigen Maria von Lourdes geweiht. Die in ihr sichtbare Statue ist eine Kopie einer mittelalterlichen Statue aus der Matthias-Kirche in Budapest. Über ihr befindet sich der Eingang zu der mit daumengroßen Kalzitkristallen geschmückten Kristály-Höhle. Auf der rechten Seite reihen sich unter uns die Häuser von Lillafüred. Unser scharf nach links einbiegender Weg schlängelt sich in einem gepflanzten, dichten Tannenwald langsam den Hang hinauf. Unter den Verkürzungswegen können wir nach unserem Belieben und nach unseren Kräften wählen. Höher kommend, lösen Buchen die Tannnen ab und nach der letzten, etwas steileren Strecke gelangen wir in einen kleinen Sattel, von wo aus wir auf dem nach links abzweigenden Pfad, der Markierung Z (grünes Dreieck) folgend, zu dem auf einer Felsnase liegenden Aussichtspunkt des Fehér-kô (Weißer Stein) gelangen. Von den senkrecht gestellten, infolge Lösung durch Niederschlagswasser gefurchten Kalkstein-Schichtrippen <kep_13.gif> aus hat man einen Ausblick auf das Szinva-Tal und auf die Szt.-István-Anhöhe, auf deren O-licher Seite man die Fortsetzung der Schichtrippen des Fehér-kô verfolgen kann.

Von der Felsnase kehren wir zum Waldweg der grünen Markierung zurück und treffen, in SO-licher Richtung weitergehend, auf eine rote Markierung (P). Von hier aus führen uns die Markierungen Rot (P) und Grün (Z) zusammen nach O, SO bis zur Einmündung der Markierung K+ (blaues Plus-Zeichen) und dann über mit Gebüsch bewachsenen Wiesen nach NO. Kaum 150 Schritte weiter zweigt die Markierung P nach rechts ab, wir gehen, der Markierung Z und K+ folgend, gegen NO, dann gegen N. Erneut in den Wald gelangend lassen wir die Markierung K+ nach links abzweigen und gehen der Markierung Z folgend auf dem sanft ansteigenden Weg zu den Kalksteinfelsen der Anhöhe Gulicska (544 m) hinauf. Unter uns in W-licher Richtung in der steilen Felswand, 50 m über der Sohle des Mély-Tales befindet sich die Mündung zur Gulicskaszirti-Felsnische. Ihr in einer Länge von 11 m zugänglicher Hohlraum stellt eine echte aber schon trockene, verfallende Quellhöhle dar. Wir steigen auf dem unter dem Eingang der Höhle liegenden Schutthang, einen Holzabfuhrweg des Forstbetriebes überquerend, vorsichtig auf die Talsohle hinunter, wo wir auf dem alten Waldweg ohne Markierung talabwärts gehen.

Dort, wo der Forstweg die Talachse wieder schneidet, bietet sich unserem Auge im Straßeneinschnitt ein gefügekundlicher Querschnitt eines verkarsteten Gebirges: steilgestellte Kalksteinschichten mit zahlreichen, stellenweise gekappten Schächten und kaminartigen Höhlengängen an den Schichtgrenzen. Der Forstweg folgt von hier aus in einigen hundert m Länge der Talsohle, schwenkt dann nach links und führt auf den Hang hinauf. Wir können jetzt wählen: entweder gehen wir, dem Waldweg auf der Talsohle folgend, unter der Talbrücke der Kleinbahn nach Alsó-Hámor oder steigen auf dem Forstweg auf die N-liche, NO-liche Felsnase (etwa 400 m) der Anhöhe Puskaporos (456 m) und spazieren hoch über Alsó-Hámor und Felsô-Hámor in W-licher Richtung sanft schlängelnd in fast gleichbleibender Höhe gegen Lillafüred zurück. Der Weg wendet sich über dem Hotel Palota vollständig zurück nach O, wir können auf dem in der Kurve rechts abzweigenden, steil nach unten führenden Pfad direkt nach Lillafüred hinuntergehen. (Die zweite Variante ist um eine Strecke von etwa 2,5 km länger.)


5.
Wanderung: Lillafüred - Újmassa - Közép-Garadna - Csókás - Udvar-kô - Kaszás-rét - Forrás-völgy - Szeleta-tetô - Lillafüred

etwa 10 km, 3,5-4 Std.

Von Lillafüred nach Újmassa können wir mit der Kleinbahn oder mit dem Bus der Linie 15 fahren. Die Haltestelle der ersteren befindet sich dicht neben dem Hotel Palota, letztere am Nordufer des Hámori-Sees, gleich bei der Abzweigung der nach Ómassa führenden Straße. (Die Kleinbahn verkehrt zwar seltener, doch bring die Fahrt mit ihr mehr Genuß.)

Der am rechten Ufer des Garadna-Baches stehende Hochofen von Újmassa (Bild 14) ist eines unserer wertvollsten und zugleich spektakulärsten Industriedenkmäler. Er ist ein "geradliniger Abkömmling" des Ofens von Heinrich FASSOLA, denn sein Sohn Friedrich hat ihn in den Jahren zwischen 1811 und 1813 zu seiner Ablösung gebaut. An seiner Stelle standen schon in den 70-er Jahren des 18. Jahrhunderts kleinere Hammerschmiede-Werkstätten, diese verlegte Heinrich FASSOLA nach der Fertigstellung der Dammes des Hámori-Sees nach Hámor. Der Hochofen von Újmassa hat von 1813 bis 1871, bis zur Inbetriebnahme des Hochofens in Diósgyôr fortlaufend gearbeitet. Die dazugehörende kleine Industriesiedlung verödete dann, der Ofen und die anderen Gebäude begannen zu verfallen. Die Arbeiten der Rekonstruktion gingen von 1955 bis heute in mehreren Etappen vor sich. Der Ofen, neben ihm das aus derselben Zeit stammende Haus (Massa-Museum) und die ihnen gegenüber auf dem linken Ufer der Garadna stehende Häusergruppe ist heute teils ein Museum im geschlossenem Raum, teils ein Freilichtmuseum, wo maßstabgerechte Modelle des Hochofens und der mit Hilfe eines Wasserrades angetriebene Hammerschmiede sowie zeitgenössische Produkte die Eisenindustrie des 18.-19. Jahrhunderts veranschaulichen. (Geöffnet täglich 10-17 Uhr, Montags geschlossen.)

Von Újmassa auf der Straße Lillafüred-Ómassa im Tal der Garadna talaufwärts weitergehend, kommen wir an den Geländenarben des unteren, schon außer Betrieb gesetzten alten Dolomitsteinbruchs vorbei, lassen ihn links liegen und erreichen nach einem Spaziergang von etwa 1 km die Anlagen der Garadnataler Forellenzuchtanstalt. Ihre Fischteiche werden teils von der Garadna, teils von der hier am Fuße des Berges entspringenden Margit-Quelle gespeist.

Nach der Bewunderung der Forellen und der aus Lärchenholzbalken gebauten Zuchtanlage besteht im Sommer auch die Möglichkeit, die frisch aus dem Wasser gehobenen und schmackhaft zubereiteten Forellen an Ort und Stelle zu kosten.

Der in N-licher Richtung gleich hinter Forellenzuchtanstalt von der Landstraße nach rechts abzweigenden Markierung P+ (rotes Plus-Zeichen) folgend gelangen wir auf einem sich ziemlich steil schlängelnden Waldweg durch das Tal der Hárs-kút-Quelle zum Südrand der Kleinen Hochfläche (ung. Kis-fennsík) hinauf. Im Flurbereich, der "Csókás" genannt wird, trifft von links die Markierung P (Rot) auf unseren Weg, sie zweigt aber bald wieder nach rechts ab. Wo von der Markierung P+ die Markierung Po zur Csókás-Quelle abzweigt, lohnt sich nicht nur eine kleine Ruhepause, sondern auch ein kleiner Rundgang.

Diese Gegend ist ein an Karsterscheinungen besonders reicher Bereich der Kleinen Hochfläche. Neben unserer Raststätte, etwas S-lich von ihr, verschwindet das Wasser der Csókás-Quelle in der Csókási-Wasserschwinde, ebenso wie die abfließenden Niederschläge in der Csókás-réti-Wasserschwinde auf der anderen Seite der hier vorbeiführenden Landstraße nach Varbó. Eine Wasserschwinde war einst auch die 55 m lange Csókási-Höhle, die ihren Eingang im untersten Teil der neben der Quelle befindlichen Doline hat, und deren engen Höhlengang wir - wenn es uns um unsere Kleidung nicht leid tut - mit Hilfe einer Taschenlampe begehen können.

Von hier an verfolgen wir unverändert die Markierung P+ (rotes Plus-Zeichen). Von rechts schließt sich ein mit einer Dolinenreihe ausgestattetes Tal an, in das auch unser Waldweg bald hinunterführt und die Dolinen von rechts und links umgehend zur spektakulärsten Karsterscheinung des Bükk-Gebirges, zur Einsturzdoline des Udvar-kô (Fig. 8) führt.

Zu dieser herrlichen Doline können wir auf dem nach rechts abzweigenden, mit P_()_ markierten Pfad hinuntergehen. Ihre Tiefe beträgt 20 m, ihr Durchmesser 15 m. Im untersten Punkt der Doline ist die Luft oft um 10-12 deg. kälter als an der Oberfläche. Ursprünglich war auch sie ein Glied in der Reihe der Wasserschwinden auf der Talsohle, aber die Gänge der benachbarten Schlucklöcher vereinigten sich unter ihr zu einem großen Raum und der Boden der Doline (die Decke des Saales) stürzte ein.

Nach der Einsturzdoline des Udvar-kô führt uns die Markierung P+ am SO-lichen Fuße des wegen seiner Höhlen bekannten Kôlyuk-galya vorbei.

Die drei "Stein-Löcher" (ung. Kô-lyuk) finden wir am leichtesten, indem wir nach dem Udvar-kô entlang des Waldschutzzaunes, der bei dem ersten nach links abzweigenden (nicht markierten) Waldweg ansetzt, einige hundert Meter den Hang hinaufspazieren. Dort, wo der Wald von einer gebüschbewachsenen Lichtung abgelöst wird, mündet auf der inneren Seite des Zaunes, aber in seiner Nähe, die Höhle Kô-lyuk-II und gleich daneben gegen W die Höhle Kô-lyuk-I. Die Höhle Kô-lyuk-II oder mit ihrem anderen Namen Eugen-Hillebrand-Höhle, die ihren Eingang im unteren Teil einer kleineren Doline hat, ist neben ihrem engen Gangsystem auch wegen ihrer zwei weiträumigen Säle bekannt.

In einem der Säle beweisen Pfahllöcher die Anwesenheit des Menschen der neueren Steinzeit, im anderen der etwa 90 m vom Eingang liegt und reich an Tropfsteinbildungen ist, konnten steinzeitliche, in die Wände eingkratzte Zeichen entdeckt werden. Solche, von Menschenhand stammende, auf religiöse Jagdrituale deutende altsteinzeitliche Zeichen sind in Ungarn allein an dieser Stelle gefunden worden und in Europa ist die Eugen-Hillebrand-Höhle ihre östlichste Fundstelle. Die in einer größeren Doline mit einem größeren Eingangstor beginnende Höhle Kô-lyuk-I besitzt eine Länge von 350 m. Die in ihr gefundenen zahlreichen Schädel des Höhlenbären - zumeist ohne andere Knochen - deuten darauf hin, daß in ihren Räumen urzeitliche Jäger ihre religiösen Zauberhandlungen vornahmen (Fig. 9.).

Von den Kô-lyuk-Höhlen kehren wir zu dem Weg mit der Markierung P+ zurück und gelangen, auf diesem gegen O und dann S weitergehend, auf den Sattel, der zwischen den Tälern der Kaszás-réti-Schwinde und der Felsô-forrás (Obere Quelle) liegt.

Die Kaszás-réti-Schwinde ist ein in einem Schluckloch endendes abflußloses Tal, wo der kleine Bach, der das Niederschlagswasser des W-lich gelegenen Gebietes, wo Tonschiefer an der Erdoberfläche ansteht, ableitet, wieder in das Gestein versickert. Nach der Schneeschmelze, nach großen Regenfällen im späten Frühling oder frühen Sommer verschwindet das strudelnde Wasser in dem Schluckloch, sonst versickert es schon in dem davor liegenden Schutt. Ein früheres, heute schon viel zu hoch liegendes und deshalb inaktives Schluckloch ist die wegen ihres besonderen Tropfsteinreichtums abgeschlossene Lilla-Höhle.

Auf dem die Täler trennenden Sattel trifft die Markierung P+ auf die Markierung Grün (Z) und wendet sich nach einer scharfen Biegung nach links gegen NO, dann trennt sie sich wieder von der Markierung Z und führt, nach rechts abbiegend, zur Felsô-Quelle hinunter.

Die Quelle Felsô-Forrás, die unter anderem auch durch das Wasser der Kaszás-réti-Schwinde gespeist wird, war vor ihrer Fassung eine der schönsten, ergiebigsten Karstquellen des Bükk-Gebirges. Gegenwärtig liefert sie über eine Rohrleitung im Durchschnitt täglich 400 m3 Wasser zur Versorgung der Siedlung Pereces. Am oberen Ende des Tales ist ein großangelegter riesiger Talkessel (Fig. 9a.), dessen SW-licher, S-licher Rand von einer großartigen Felswand gebildet wird. An ihrem W-lichen Ende, hoch über der Talsohle klafft die Felsô-forrási-Höhle, deren oben ins Freie führenden Kamine einst die Wässer des Vorgängers der Kaszás-réti-Schwinde in die Tiefe leiteten. In einem der Kamine kann man relativ einfach an die Tagesoberfläche hinaufklettern. Wer kein Risiko eingehen will, kann von außen heraufkommen - es lohnt sich, denn es ist eine interessante und lehrreiche Gegend.

Von der Quelle Felsô-forrás an folgt der mit P+ markierte Weg dem Wasserlauf auf dem Grund des Talkessels. (Seitdem das Wasser abgeleitet wurde, fließt nur in niederschlagsreichen Zeiten Wasser im Bett des Baches.) Die auffallend flache Ausbildung des Talbodens ist dem Umstand zu verdanken, daß die Quelle und der Bach ihn mit Süßwasserkalk aufgefüllt haben. Das O-liche Ende des Talkessels verengt sich und wir gelangen über ebenfalls aus Süßwasserkalk bestehenden Treppen (nach reichlichem Niederschlag erinnert das die Treppen hinunterfließende Wasser an das Szalajka-Tal) in einen breit ausgeweiteten Talabschnitt, dessen Untergrund aus Tonschiefer besteht. Einige 100 m weiter führt der Bach auch in trockenen Jahreszeiten wieder Wasser, dieses stammt aus den Flóra- und Közép-Quellen in der S-Flanke des Tales.

Der etwa 1,5 km lange breite, von feuchten Wiesen, Erlengruppen eingenommene Talabschnitt verengt sich dann gegen O und durchquert mit einer engen Schlucht jene Kalksteinbildungen, in denen die während unserer ersten zwei Wanderungen kennengelernten Höhlen Kecske-lyuk, Büdös-pest und Büdös-pest-Schachthöhle liegen. Unterhalb der Büdös-pest-Höhle erreichen wir die Markierung P. Unser Weg führt uns von hier aus entlang des ersten Abschnitts unserer 1. Wanderung, aber in entgegengesetzter Richtung: wir steigen auf den Ostrand der Dolka-Anhöhe dann neben der Szeleta-Schachthöhle und der Szeleta-Höhle auf die Szeleta-Anhöhe hinauf und gelangen endlich auf die Landstraße Lillafüred-Miskolc hinunter.



STIFTUNG LILLAFÜRED

Die Stiftung Lillafüred entstand im Jahr 1993 mit dem Ziel, in Lillafüred und seiner Umgebung zur Schaffung der Voraussetzungen für den Qualitätstourismus und zur Bereicherung des kulturellen Lebens in der Region beizutragen.

Unter der Aufsicht der Stiftung steht die Galerie Lillafüred im Erdgeschoß des Hotels Palota, in der monatlich wechselnde Kunstausstellungen stattfinden.

Bankkonto-Nr. der Stiftung: OTP 11734004-20384470

Postanschrift:Miskolc-Lillafüred Erzsébet sétány

3517

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