SPRACHLICHER SEXISMUS UND SPRACHLICHES GENDER MAINSTREAMING IM FOKUS DER EUROPÄISCHEN SPRACHPOLITIK

 

Erika Kegyesné Szekeres

Lehrstuhl für Deutsche Linguistik, Universität Miskolc 

3515 Miskolc-Egyetemváros, Ungarn

kegyera@freemail.hu

 

Zusammenfassung: In diesem Artikel wird das Themenkomplex Sexismus in der Sprache im Allgemeinen und mit einem besonderen Hinblick auf die nicht-sexistische Sprachkonzeption in der Sprachpolitik der Europäischen Union behandelt. Im einführenden Teil der Arbeit werden die folgenden Grundfragenstellungen beleuchtet: (1) Was bedeutet Sexismus und Sexismus in der Sprache? (2) In welchen kommunikativen /interaktionalen Fällen der Sprachverwendung kann die Sprache als System von Zeichen und der Sprachgebrauch als sexistisch definiert werden? (3) Was ist gegen sprachlichen Sexismus bzw. für nicht-sexistischen Sprachgebrauch zu tun?  Im nächsten erörternden Teil der Arbeit werden die aktuellen Richtlinien, Empfehlungen und Konzepte der Europäischen Union und ihre Realisierungsversuche in den EU-Ländern dargestellt, die die sprachliche Gleichstellung sowie sprachliche Gleichbehandlung von Frau und Mann fördern.  Im letzten Teil werden die sprachpraktischen Fälle des sprachlichen Sexismus im Ungarischen untersucht, mit einem Ausblick auf die ungarische Rezeption vom sprachlichen Gender Mainstreaming, aus dem Blickwindel der Struktur-Anpassungsprogramme der EU.

 

Forschungsgebiet: Genderlinguistik, Sprachpolitik, Soziolinguistik

 

Einführung: Sexismus in der Sprache

 

Der Ausdruck Sexismus ist eine in Analogie zum Begriff Rassismus gebildete Bezeichnung. Ganz im allgemeinem bildet der Sexismus die ideologische Grundlage für individuelle oder kollektive Diskriminierung und Unterdrückung auf Grund des Geschlechts, insbesondere des weiblichen durch das männliche Geschlecht[1]. Im Jahre 1978 veröffentlichte Janssen-Jurriet ein Buch mit dem Titel Sexismus. Sie kommt zum Schluss, dass Sexismus eine gesellschaftliche Spielart ist, ein subtiles Schema der systematischen Degradierung einer Person oder gesellschaftlicher Gruppe durch die Inhalte der dominierenden Kultur.

 

Um den Begriff Sexismus gruppieren sich solche sozialpolitischen Termini wie Macht und Gewalt. In der Soziologie wird Sexismus als Ergebnis sozialer Prozesse betrachtet, aber es geht nicht nur um versimplifizierende Vorurteile gegenüber den Geschlechtern, sondern um Handlungen, zu denen unter anderem verankerte Vorurteile führen können. Im Handbuch zur rechtlichen Bekämpfung von Diskriminierung[2] (2003) wird der Begriff Sexismus wie folgt definiert: „Der Begriff Sexismus beschreibt eine Ideologie oder ein Verhalten, dass sich auf Stereotypen von sozialen Rollenbildern bezieht und sich auf geschlechtsspezifische Unterschiede stützt“ (Makkonen 2003: 20). Im Egalikon – „Stichwörter zur Gleichstellung[3]“ (1998/2002) wird unter dem Begriff Sexismus hervorgehoben, dass er ein besonderer Modus struktureller Gewalt darstellt, und bezeichnet alle möglichen Äußerungen und Verhaltensweisen, in denen Verachtung, Abwertung und Diskriminierung aufgrund des Geschlechts zum Ausdruck kommt. Sexismus widerspricht dem Konzept der Gleichwertigkeit, Gleichstellung und Gleichbehandlung aller Menschen und insbesondere der Geschlechter.  In diesem Kontext handelt es sich sehr oft um sprachliche Äußerungen (z.B. sexistische Witze, erniedrigende Ausdrücke). So besteht kein Zweifel, dass die Sprache ein spezielles Mittel des Sexismus bilde. Sexismus äußert sich sprachlich in Filmen, in Talkshows, in der Werbung und in vielen Lebenssituationen, wo entweder explizit oder implizit auch auf die Sexualität referiert wird. Sexismus hängt aber nicht unbedingt mit der Sexualität zusammen, viel mehr mit dem natürlichen Geschlecht einer Person. In der Sozialpsychologie[4] zum Beispiel wird unter Sexismus eine Verhaltensattitüde verstanden, in der all die negativen Einstellungen einem Geschlecht gegenüber zusammengefasst werden, diese haben aber sehr oft keine eigenen negativen Erfahrungen im Hintergrund, sondern basieren auf kollektiven Meinungen und Überzeugungen.

 

Das sexistische Verhalten (verbal und/oder nonverbal) kann vielerlei Typen und Formen haben, es bewegt sich auf einer Skala vom traditionellen (expliziten, offenen) Sexismus bis zum modernen (impliziten, verdeckten) Sexismus. Lemm und Banaji (2003) unterscheiden zwischen positivem (wohlwollendem) und negativem (feindlichem) Sexismus. Dies zeigt sich am prägnantesten in der Ambivalenz stereotypischer Ausdrücke und Einstellungen Frauen gegenüber: teils sind diese positiv referierend, teils aber negativ. Der negative Sexismus lässt sich als die klassische Form von Frauenfeindlichkeit bestimmen, während die positiven Sexismen Vorurteile über die Frauen beinhalten, die von den Beurteilenden in sich positiv interpretiert, aber von den Beurteilten meistens negativ rezipiert werden. Fiske (1998 zit. nach Lemm und Banaji 2003) bringt dafür als Beispiel die Gemeinattitüde den Karrierefrauen gegenüber, die sowohl von den Männern als auch von den Frauen diskriminiert werden, wenn auch in anderen Situationen. Auch in der Sozialpsychologie wird die Rolle der Sprache bei der Herausbildung und Ausübung von Sexismen betont.            

 

Auch bei sprachwissenschaftlicher Behandlung der Sexismen wird in erster Linie mit der sozialpsychologischen Auffassung von Macht und Dominanz operiert,  und ausgesagt, dass Gewalt durch Sprache sowohl offen als auch verdeckt vorhanden ist. Ihre explizite, offene Form (z.B. Beschimpfung) ist sofort zu erkennen. Ihre sublime (verfeinerte) Form dagegen

erst durch Monitoring. Im Allgemeinen wird vom Sexismus im Sprachgebrauch gesprochen, wenn eine Person auf Grund ihres Geschlechts benachteiligt wird und infolge dessen sprachliche Diskriminierung oder sprachliche Nichtbeachtung

 

erleide (Samel 2000: 126). Die feministische Sprachwissenschaft untersucht beide Formen der sprachlichen Gewalt, und „fast die Gewalt durch Sprache als Teil ihrer Forschung über sprachlichen Sexismus auf“ (Samel 2000: 41). Die Erscheinungsformen des sprachlichen Sexismus sind sehr stabil und mehrschichtig, können zum Beispiel eindeutig sexistischen (d.h. sexuellen)  Sachverhalts sein oder sich gegen Frauen wegen ihres Frauseins richten. Strukturell gesehen können sie language oder parole bezogen sein, also einerseits sind sie im System der Sprache, andererseits im Sprachgebrauch vorzufinden. Daraus folgt: einige feministische Linguistinnen kritisieren nicht nur den öffentlichen Sprachgebrauch, sondern die Sprache als System von Zeichen, da sie die Auffassung haben, dass die Sprache in sich schon dadurch sexistisch sei, wenn im Sprachsystem grammatikalische Geschlechter wie zum Beispiel Maskulinum und Femininum unterschieden sind.

 

Mit dem sprachpolitischen Terminus sexistischer Sprachgebrauch wird auf eine gesellschaftspolitische bzw. frauenpolitische Fragenstellung referiert, während mit dem Terminusgebrauch sprachlicher Sexismus konzipiert wird, dass die Bausteine einer sexistischen Denk- und Sprachweise tief im sprachlichen System verankert sind. Die beiden Termini hängen in vielerlei Hinsicht zusammen, und sind essentiell voneinander nur schwer oder gar nicht zu trennen. Einerseits geht es also darum, dass selbst die Sprache, also das innere Sprachsystem bestimmter Sprachen strukturell und kausal dafür verantwortlich gemacht werden kann, dass das Modell der Geschlechterhierarchie in vielen Gesellschaften und Kulturen auch als ein sprachliches konstruktives Modell vorherrscht. Das indiziert sprachlichen Sexismus. Andererseits geht es aber auch darum, dass im gesellschaftlichen, öffentlichen und privaten Sprachgebrauch die gesellschaftlichen, geschlechtlichen Ungleichheiten auch zum Ausdruck kommen. In diesem Sinne indizieren soziale Parameter sprachliche Ungleichheiten, so liegt kommunikativer bzw. interaktionaler Typus sprachlichen Sexismus vor, der sich in verschiedenen Fällen des sexistischen Sprachgebrauchs realisiert.     

 

Im ersten Fall wird der Sprache eine kausale Rolle zugesprochen, im zweiten aber eine supplementäre. Um die begrifflichen Unklarheiten umgehen zu können, wird als übergreifender Terminus „Sexismus in der Sprache“ vorgeschlagen. Da die konkreten Fälle und sprachliche Mittel sexistischen Sprachgebrauchs und sprachlichen Sexismus viel mehr fließende Kategorien sind. Dies mit einbeziehend wurde ein dialektischer Zugang zum Sexismus in der Sprache konzipiert, dessen Relevanz von Hellinger (2000) wie folgt begründet wird: „Ein dialektischer Zugang ermöglicht es (…), eine Sprache als Kodifizierung einer androzentrischen Ideologie zu beschreiben, zugleich aber die Annahme zuzulassen, dass Sprache die Wahrnehmung und Interpretation von Realität ermöglicht.“ (2000: 178)   

 

Sexistischer Sprachgebrauch bedeutet vor allem im alltäglichen Sprachgebrauch eine bestimmte Art und Weise der Sprachverwendung, die in bestimmten Kontexten und Situationen auf Frauen herabsetzend, verunglimpfend, permanent negativ referiert. Im Allgemeinen lässt sich sagen: Wir sprechen über Sexismus in der Sprache, „wenn Frauen und ihre Leistungen ignoriert werden, wenn Frauen in stereotypen Rollen beschrieben werden, wenn sie herabsetzend behandelt werden, oder wenn sie in Abhängigkeit von und zu Männern beschrieben werden“ (Hellinger & Kremer & Schräpel 1989).

 

Der sexistische Sprachgebrauch weist einen engen Zusammenhang mit dem Begriff der sprachlichen Gewalt auf. Geschlechterverhältnisse werden als Machtverhältnisse interpretiert, und sprachlicher Sexismus sei eine Form von Gewalt durch Sprache (vgl. Samel 1995: 128, aber auch Frank 1992). Trömel-Plötz (1984) spricht in diesem Kontext sogar über die sprachliche Vergewaltigung der Frau. Nach Samel (2000, in Anlehnung an Homberger 1993) liegt sprachliche, also sexistische Gewalt in folgenden interaktionalen Fällen vor:

a)       Es wird über personale Gewalt gesprochen, wenn zum Beispiel Männer Frauen in öffentlichen oder privaten Bereichen der Kommunikation nicht ausreden lassen, ihnen das Wort abschneiden, und wenn Gesprächsthemen nur von den Männern bestimmt werden.

b)       Psychische Gewalt liegt vor, wenn die Frauen von den Männern sprachlich beleidigt, beschimpft, abgewertet, missachtet oder ganz ignoriert werden.

c)       Über sublime sprachliche Gewalt ist zu sprechen, wenn sprachlich in vielfacher Weise nur für den Mann Partei ergriffen wird, die Vorherrschaft des Mannes in Redewendungen und mit anderen sprachlichen Mitteln deklariert wird, und in formelhaften Wendungen vorwiegend zuerst die Männer benannt werden.

d)       Strukturelle sprachliche Gewalt zeigt sich in manch bestimmten Eigenschaften des Sprachsystems von vielen Sprachen. Präzedenzbeispiele sind dafür, (so zum Beispiel auch im Deutschen) dass die maskuline Form die allgemeine Bezugnahmeform in der Textverflechtung sei, oder in der maskulinen Form der Berufsbezeichnungen die Frauen subsumiert sind, sowie im Fall, wenn die sprachlich weibliche Form von Titeln von der männlichen abgeleitet ist.

e)       Sexistische Gewalt liegt vor, wenn in einer Sprache die Mittel und die Formen der personalen, psychischen, sublimen und strukturellen Gewalt bewusst bevorzugt werden, um der Totalität gesellschaftlicher geschlechtlicher Machtverhältnisse und sozialer Geschlechterhierarchie auch mittels obiger sprachlicher Mittel Legitimität zu leisten (s. ausführlicher bei Homberger 1993: 33-36, Samel 2000: 44-49)

 

Die Sprache ist also ein Bereich, in dem wir die vielfältigsten Formen des sprachlichen Sexismus erkennen können, angenommen, dass Sexismus in der Sprache eine besondere Art sprachlichen Handels darstellt. In diesem Zusammenhang wurden zwei Fragenstellungen in der Linguistik besonders stark diskutiert: (1) Wie behandelt die Sprache die Frauen? (2) Wie behandeln die Sprechenden die Frauen? Bei der Fragenstellung (1) werden sprachsystematische, bei Frage (2) dagegen sprachgebräuchliche Untersuchungen durchgeführt. Des Weiteren werden in diesem Artikel diese zwei Fragen voneinander nicht getrennt, sondern es wird darauf eingegangen, in welchem Maße ihre Beantwortung zur Herausbildung einer feministischen Sprachpolitik beitrug.

 

 

 

1. Feministische sprachkritische Intentionen in der europäischen Sprachpolitik

 

„Die feministische Sprachpolitik hatte und hat das Ziel, den Sprachgebrauch der Gleichbehandlung zu fördern und sexistische Ausdrucksweisen zu eliminieren“ (Samel 2000: 124). Schon die ersten gesellschaftspolitischen Ansätze der Frauenbewegungen in den 70er und 80er Jahren thematisierten die Frage des öffentlichen Sprachgebrauchs. Sie wiesen darauf hin, dass die Sprache kein gesellschaftlich-geschlechtlich neutrales Phänomen sei und manche Wortbedeutungen sexistischen Inhalts für Frauen diskriminierend sind. Arbeitsgruppen verschiedener Universitäten in den USA und in

 

Deutschland erklärten sich zum Beispiel bereit, sprachpolitische Regelungen auszuarbeiten, um den nicht-sexistischen Wortgebrauch zu fördern. Besonders für das Deutsche und Englische wurden zuerst behördliche, später auch ministerielle Vorschläge des ‚neuen‘, d.h. nicht-sexistischen Sprachgebrauchs zusammengestellt[5], die dann von feministischen und nichtfeministischen, linguistischen und nicht-linguistischen Kolloquien und bei Tagungen vor aller Öffentlichkeit heftig diskutiert wurden. Gesellschaftsstrategisch wurde bewiesen: die feministischen Denkansätze dürfen im Sprachgebrauch nicht mehr ignoriert oder gar übergangen werden, weder von der Seite der Gesellschaft noch der Politik.

 

Sprachliche Veränderungen, die sich insbesondere darin zeigten, dass ein verstärkter Gebrauch von femininen Berufsbezeichnungen und Anredeformen in Formularen, Gesetztexten, Stellenanzeigen und überhaupt in den Medien zu beobachten war, hielten ein „emotional geführter-öffentlicher Diskurs“ (Hellinger 2000: 178) der Geschlechterfrage in. Demgemäß darf mit Recht behauptet werden, dass in der ersten Phase der frauenpolitischen sprachlichen Bewegungen das sprachstrukturelle Ziel verfolgt wurde, die Frauen in der Sprache sichtbar zu machen. Tendenzen sprachlichen Wandels in Richtung Feminisierung von geschlechtsneutralen Bezeichnungen ließen sich in vielen europäischen Sprachen (vor allem und sehr stark im Deutschen, teilweise aber auch im Norwegischen, Französischen, Holländischen, Italienischen, und neulich auch im Ungarischen) nachvollziehen. Die repräsentative Feminisierungstendenz in den deutschsprachigen Ländern kann heute im Wesentlichen für abgeschlossen gehalten werden, während sich in manchen Sprachen (darunter auch im Ungarischen) erst zurzeit ein Trend zur Feminisierung herauszubilden scheint.

 

In den 90er Jahren erfolgte eine Umdeutung vom Begriff sexistischer Sprachgebrauch, wobei in erster Linie nicht nur und nicht mehr nur das als sexistischen Sprachgebrauch empfunden war, wo Frauen nicht explizit genannt oder mit benannt waren (z.B. in solchen Paarformeln wir Lehrer/Lehrerin) oder wo auf die Frauen nicht explizit referiert wurde (z.B. Wir dürfen den Wähler nicht verschrecken[6].). Sprachstrukturelle Fragen wie Genuszuweisung in Sprachen, die über Genera verfügen, Pronominalisierung und Wortbildungsprozesse zur Sichtbarmachung der Frau stellen kein zentrales Thema mehr der feministischen Sprachpolitik dar, weil sie zumindest schon im öffentlichen Sprachgebrauch mehr oder weniger, aber Akzeptanz fanden. Es könnte so formuliert werden, dass eine Umkehrung von Formen sexistischen Sprachgebrauchs auf lexikalischer bzw. semantischer Ebene der Sprache keineswegs durch den Widerstand gegen nichtsexistischen Sprachgebrauch, sondern durch ihre – wenn auch nicht stabile – Durchsetzung im Bereich der politisch korrekten Sprachverwendung herausgelöst wurde.

 

Seit den 80er Jahren wurde das Konzept Sexismus in der Sprache umgedeutet, wonach nicht nur das als sexistisch bezeichnet wurde, wenn Frauen sprachstrukturell benachteiligt werden, sondern auch das, wenn sie institutionalisiert diskriminiert werden, wobei die Sprache auch ein wichtiges Instrument darstellt. Unter  institutionalisierter Diskriminierung der Frau wird verstanden, wenn zum Beispiel gegenüber Frauen mit negativer Konnotation metaphorisiert wird, wenn Weiblichkeit von heute in den Medien immer noch nur mit traditionellen Klischees und Stereotypen beschrieben wird, wenn die Frau in den verschiedenen Texttypen des Alltags im Prozess des Attribuierens absolut negativ erscheint, wenn mit Frau durch den Sprachgebrauch vorwiegend negative Assoziationen und Konnotationen verbunden werden.  Als Paradebeispiele negativen Stereotypisierens lassen sich im Deutschen zum Beispiel die folgenden Sprachbilder gelten: Frauenzimmer, Kaffeetante, Emanze, Blondine, Klatschbase, Nervensäge[7] usw.  Diese sind diskursive Strategien, die die Frau diskriminieren. Aus diesem Grunde beschäftigt sich die feministische Sprachkritik heutzutage verstärkt mit Fragen der diskursiven Ebene der Sprache. Statt der simplen sprachlichen Sichtbarmachung der Frau wird heute ein geschlechtergerechter sowie geschlechtersensibler Sprachgebrauch in verschiedensten Bereichen der Kommunikation gefordert.

 

Die Forderungen feministischer Sprachkritik und Sprachpolitik haben dazu beigetragen, dass die sprachliche Gleichbehandlung/Gleichstellung der Geschlechter sowie Vermeidung sexistischen Sprachgebrauchs in den letzten Jahren auch in den Dokumenten der Europäischen Union unter den wichtigsten Mitteln zur Beförderung der Gleichberechtigung platziert sind. 

 

2. Europäische Richtlinien zur sprachlichen Gleichstellung der Geschlechter

 

Die sprachlichen Richtlinien zum geschlechtergerechten Sprachgebrauch der EU und anderer europäischen politischen Organisationen und Kommissionen verstehen sich alle als Aktionsmittel zur Nichtdiskriminierung der Geschlechter und als ein konkretes politisches Engagement der Rechtsvorschriften zur Gleichstellung. Die Politik der Europäischen Gemeinschaft zur Gleichstellung von Frauen und Männern begann bereits 1957 im Vertrag von Rom und im Vertrag von Amsterdam (1997) wurde der Gleichstellung von Frauen und Männern verstärkte Bedeutung zugemessen. Seitdem stellt sie eines der Grundprinzipien der EU dar. Seit ihrer Gründung nahm die Gemeinschaft acht Richtlinien[8] über Gleichbehandlung und Chancengleichheit von Frau und Mann an. Im Allgemeinen wurden

 

von den Organen und Organisationen der EU, UNESCO und UNO in den vergangenen Jahren Maßnahmen getroffen, die die Gleichstellung der Frau in der sprachlich-sozialen Realität zu bewirken haben, darunter zum Beispiel Empfehlungen und Richtlinien zur Beseitigung der Diskriminierung von Frauen durch sexistische Sprachverwendung. Diese sind europaweiter Gültigkeit, und gelten als länderübergreifende gemeinsame Stellungnahmen der Mitgliedssaaten sowie Beitrittsländer. Die sprachlichen  Richtlinien verfügen über den gleichen Rechtsstatus wie alle anderen Richtlinien der EU, d.h. sie sind von der EU beschossene „Gesetze“, die in die nationale Gesetzgebung der Mitgliedstaaten verbindlich integriert werden müssen.  Ihre Realisierung erfolgt in EU-Aktionsplänen, in nationalen Aktionsplänen, Parteiprogrammen und institutionellen Grundprogrammen.

 

Dabei wird meistens als Ausgangpunkt der Diskussion auch auf die Grundgesetztexte der Staaten der Europäischen Union zurückgegriffen, in denen oft eine Textpassage folgenden Charakters zu lesen ist: Männer und Frauen sind gleichberechtigt.

 

Niemand darf wegen seines Geschlechts […] benachteiligt oder bevorzugt werden. In Anknüpfung an die souveränen Grundgesetztexte könnte als Grundprinzip aller gemeinsamen europäischen Forderungen einer geschlechtergerechten Sprachverwendung die von Häberlin, Schmid und Wyss (1992: 12) formulierte These gelten: „Frauen müssen in gesprochenen und geschriebenen Texten als eigenständige, gleichberechtigte und gleichwertige menschliche Wesen behandelt werden. Sie müssen mit Respekt, Würde und Ernsthaftigkeit dargestellt werden.“

       

Im Jahre 1987 wurde die Forderung nach einem nicht-sexistischen Sprachgebrauch auf der 24. UNESCO-Generalkonferenz erhoben. Hier wurde eine Resolution[9] zur Umsetzung dieser politischen Forderung angenommen, die zum Beispiel auch für die Verwendung entsprechender femininer Formen eintritt. Es hieß, dass in allen Arbeitsdokumenten der Organisation sprachliche Formen zu vermieden sind, die nur auf ein Geschlecht Bezug nehmen. Mit dieser Resolution machte sich die UNESCO die Forderung nach sprachlicher Gleichbehandlung in vielen Sprachen (vor allem Deutsch, Englisch, Französisch) zu Eigen. Auch der Europarat formulierte im Jahre 1990 eine einheitliche Empfehlung[10] über die Beseitigung von Sexismen aus der Sprache, in der die Mitgliedstaaten der Europäischen Gemeinschaft aufgefordert waren, sich auch in der Frauenfrage an die europäischen Richtlinien der Sprachpolitik zu halten. Die wichtigsten sprachpolitischen Leitlinien in Geschlechterfrage lauteten:

1.        Eine Sprache soll gefördert werden, die nicht sexistisch ist. In den Rechtstexten und in den öffentlichen Reden soll eine nichtsexistische Sprache verwendet werden.

  1. Weiterhin soll eine nichtsexistische Sprachverwendung in den Medien im Vordergrund stehen. (vgl. Grabrucker 1993: 19)

Diese Kodifikation der Europäischen Gemeinschaft bezog sich in erster Linie auf die geschlechtergerechte Formulierung von Gesetztexten und Arbeitsanzeigen, und konnte eine positive Wirkung auf die Verwaltungssprache in vielen Ländern der Europäischen Gemeinschaft ausüben. Die oben zitierte Empfehlung des Europarates zur Vermeidung von Sexismen in der Sprache ist aber auch vom symbolischen Wert. In diesem Dokument wurde ja auf Europaebene betont darauf hingewiesen, welche Bedeutung ja die Problematik der Sprachbenutzung beim Lösen von Aufgaben der aktuellen Geschlechterproblematik spiele. Wie eigentlich die obigen Richtlinien unter dem Aspekt der sprachlichen Gleichbehandlung von Frauen und Männern in die Praxis umzusetzen seien, beschrieb Guentherodt folgenderweise: „Sprachliche Gleichbehandlung ist bei öffentlichen Texten, die inhaltlich auf Männer und Frauen Bezug nehmen, praktisch dann verwirklicht, wenn nicht nur Männer sondern auch Frauen sprachlich sichtbar gemacht werden, oder aber anstelle einer einseitig auf den Mann orientierten Sprache geschlechtsneutrale Formulierungen verwendet werden.“ (Guentherodt 1993: 250)

 

Die Empfehlung sowie Zielsetzung des Europarates sind eindeutig, bloß die Reichweiten und Realisierungsmöglichkeiten sind in Europa sprach- und kulturspezifisch zu betrachten. Strategien, die zum Beispiel das Deutsche zum nicht-sexistischen Sprachgebrauch bietet, können in andere Sprachen nicht transferiert werden. Als sprachinterne Gründe dafür sollen in erster Linie die Strukturformen und die Systemeigenschaften der einzelnen Sprachen der EU erwähnt werden. Als sprachexterne Gründe gelten zum Beispiel die sprachliche Sensibilität der Sprechenden und der didaktische Prozess zur Sensibilisierung (d.h. Erkennen und Vermeiden) vom sprachlichen Sexismus. In den einzelnen Saaten der EU sollen aus diesem Grunde Empfehlungen herausgearbeitet werden, die sprachtypologisch relevant erscheinen können, doch auch dem ratifizierten Ziel zu entsprechen versuchen.

 

Aus Anlass einer internationalen Konferenz (veranstaltet u. a. vom Europäischen Universitätszentrum für Friedenstudien und UNESCO-Kommission) kam es im Juni 1995 zur Deklaration von Schlaining gegen Rassismus, Gewalt und Diskriminierung, die später eine gesamteuropäische Deklaration der Nichtregierungsorganisationen (NRO) der EU (1997) bewirken konnte. Auch in diesem Dokument wird der nicht-sexistische Sprachgebrauch explizit gefördert, samt dem Kriterium zur Eliminierung VON sexistischen und gewaltfördernden bildlichen und sprachlichen Elementen der Schulbücher in Biologie, Literatur, Geschichte und insbesondere Mutter- und Fremdsprache. Ein interessanter Teil der Initiative ist, dass es nicht nur ein verantwortlicher Umgang mit der Sprache gefordert wird, sondern auch die Umgestaltung von Lexika und Enzyklopädien im Sinne nicht-sexistischer Textgestaltung. Im Herbst 1995 wurde die Entschließung[11] der 28. Generalkonferenz der UNESCO veröffentlicht, in der der nicht-sexistische Sprachgebrauch als gemeinsame Basis einer gemeinsamen Informations- und Entwicklungspolitik deklariert wird.

 

 

 

Am 28. Januar 2003 wurde im Europäischen Parlament eine Stellungnahme[12] des Ausschusses für die Rechte der Frau und Chancengleichheit für den Ausschuss für Kultur, Jugend, Bildung, Medien und Sport verabschiedet, in der in insgesamt 13 Punkten auf die gendergerechte Sprachpolitik der EU reflektiert wird. Es wird ausgesagt, dass eine gendergerechte Sprachverwendung als Grundlage einer gemeinsamen Informations- und Kommunikationsstrategie in der EU zu dienen hat. Des Weiteren wird anerkannt, dass „der Sexismus, der sich in der Sprache, in der das Maskulinum öfter als das Femininum gebraucht wird, widerspiegelt, ein Hindernis für die Gleichstellung von Männern und Frauen darstellt, das beseitigt werden muss, weil die Gleichheit einen der demokratischen Werte der Europäischen Union darstellt, und dass gewährleistet werden muss, dass die Informationen, die die EU verbreitet, den Grundsatz der Gleichstellung von Männern und Frauen wiedergibt, (…)“[13].  Es wird in dieser Stellungnahme betont, dass es aus diesen Gründen eine Erforderung sei, alle Informationsmaterialien der EU-Kampagnen in nicht-sexistischem Sprachstil zu formulieren, da eines der wirksamsten Instrumente zur Gleichstellung der Geschlechter selbst die Sprache ist. In einem weiteren Textteil der Stellungnahme wird die Beobachtung formuliert, dass die bisherigen Empfehlungen (zum Bespiel die von oben) keinen effektiven Eingang in die EU-Mitteilungen gefunden haben. 

 

Eine Ausnahme bilden wohl die Broschüren und weitere Informationsblätter, die die Genderpolitik der EU erörtern. Schließlich fordert die Stellungnahme die gendergerechte Umgestaltung der Sprache der Informationskampagnen, eine intensivere Einbeziehung einer geschlechtlich nicht-diskriminierenden Sprache in die Kampagnen- sowie Rechtstexte und Verwaltungssprache der EU.  

 

3.                   Sprachliches Gender Mainstreaming im Fokus der europäischen Sprachpolitik

 

Gender Mainstreaming ist eine langfristige Strategie zur praktischen Verwirklichung der Geschlechter-Gleichstellung. Der Begriff Gender Mainstreaming wurde bei der Weltfrauenkonferenz von Beijing 1995 herausgearbeitet. Gender Mainstreaming als Konzeptionsplan kommt zuerst 1997 im Amsterdamer Vertrag der EU mit Betonung vor. In diesem Vertag wurde die Gleichstellungspolitik zu einem zentralen Grundprinzip der EU erhoben, die EU-Kommission hat sich zu einer Politik des Gender Mainstreaming verbindlich verpflichtet. Gender Mainstreaming bezeichnet im internationalen anerkannten Sprachgebrauch die optimierte positive Förderung der Geschlechter-Gleichstellung in allen maßgebenden Bereichen des Lebens, wo Geschlechterdifferenziertheit vorherrscht. Mainstreaming benennt in diesem gemeinsamen Aktionsplan der EU das Organisationsprinzip, Gender ist der analytische Ausgangspunkt zur Auswertung der Geschlechterproblematik und Gleichstellung ist das eigentliche Ziel des Aktionsplanes[14]. Das Konzept des Gender Mainstreaming entstand im Zusammenhang mit der Diskussion über den Einbezug weiblicher Wertvorstellungen in die internationale Entwicklungspolitik, auf diese Perspektive will auch der Wortgebrauch Gender verweisen. Mit Mainstreaming soll die Erweiterung der Gleichstellungspolitik und ihr größerer Einflussbereich auf die allgemeine Förderungspolitik ausgedrückt werden, auf diese Perspektive weist der englische Ausdruck Mainstream in der Bedeutung von Hauptrichtung, Hauptströmung hin.  

In vielen Dokumenten der EU wird im Zusammenhang von Gender und Mainstreaming von der „Einbindung der Chancengleichheit“[15] der Geschlechter in allen Maßnahmen der EU gesprochen. Die systematische „Einbindung“ der Gleichstellung und im Allgemeinen der Geschlechterproblematik bei Entscheidungen auf Europaebene ermögliche eine systematische Überprüfung der Geschlechterpolitik in Europa, es würde zu einem gemeinsamen Mit- und Überdenken führen. „Die Einbindung“ der Geschlechterfrage in die allgemeine Entwicklungspolitik[16] der EU kann in der politischen Praxis als ein absolut starker Einbezug der Dimensionen der Geschlechterfragen verstanden werden.

 

In praktischer Hinsicht sollen mit Gender Mainstreaming Veränderungen im Geschlechterverhältnis bewirkt werden. Der Terminus Gender[17], der im internationalen Sprachgebrauch auch schon einen breiten Eingang fand, hat durchaus die Funktion zu resümieren, dass es hier nicht mehr um eine traditionelle und stereotype Auffassung der Geschlechterproblematik geht. Mit Gender wird die bewusste und tolerante Wahrnehmung von Geschlechterdifferenzen assoziiert. Mit der Strategie des Gender Mainstreaming können die Unterschiede identifiziert werden, die sich einerseits auf direkter Weise aus der geschlechtlichen Differenzierung auf gesellschaftlicher Ebene, andererseits der direkten geschlechtlichen Differenzierung zufolge in indirekter Weise aus den wahrnehmbaren Geschlechterdifferenzen ergeben. Das Gender Mainstreaming will erreichen, dass sich die tradierten Rollenzuweisungen von Frau und Mann auflösen. Dementsprechend werden im Rahmen von Gender Mainstreaming Instrumente entwickelt, die in verschiedenen Handlungsfeldern des Lebens die Geschlechtergleichheit im Sinne von einem gemeinsamen europäischen, aber auch länderspezifisch/kulturspezifisch differenzierten Gender-Aktionsplan zu befördern haben.

 

Da sich die Genderproblematik im Sachfeld des Sprachgebrauchs mit einer besonderen Bedeutung auftut, hat das Gender Mainstreaming auch in Fragen der Sprachverwendung

 

durchaus Relevanz: die sprachlichen (linguistischen) Genderanalysen können den Aktionsplan des Gender Mainstreaming konstruktiv ergänzen, da mittels einer sprachlichen Genderanalyse versucht wird, die Unterschiede in der Situation der Geschlechter aufzudecken, die durch den Sprachgebrauch bewirkt werden. Die Ergebnisse einer sprachlichen Genderanalyse können direkt mit der Option der Geschlechtergleichheit in Beziehung gesetzt werden, da die sprachliche Gleichstellung der Geschlechter eine wichtige Domäne der allgemeinen gesellschaftlichen Gleichstellung der Geschlechter bildet.

 

Wie realisiert sich aber das sprachliche Gender Mainstreaming in der Praxis? Das  Magazin[18] diskutiert zum Beispiel im Kapitel Mit den richtigen Worten auch die praxisnahe Problematik der sprachlichen Gleichstellung von Frau und Mann. Es wird in der Hinführung zum Thema Geschlecht und Sprache hervorgehoben, dass die Gleichstellung zwischen Frau und Mann zu den Grundrechten in Europa gehört, die in der Charta zu den Grundrechten der EU niedergelegt ist. Die Charta wurde 2002 in Nizza proklamiert. Laut Wortlaut des erwähnten Dokuments steht fest: bei allen Tätigkeiten wirkt die Gemeinschaft darauf hin, Ungleichheiten zu beseitigen und die Gleichstellung zwischen Frau und Mann zu fördern. Dieser Verpflichtung soll auch im Bereich der Sprache nachgegangen werden, ist in einer weiteren Textpassage des Vorwortes des Magazin zu lesen. Mit besonderem Nachdruck wird in dieser Schrift für die Sprachgemeinschaften der mehrsprachigen EU empfohlen, sprachliche Klischees aus der Sprache bzw. aus der Sprachverwendung zu verbannen, die die Geschlechter stereotypisch darstellen. Mit Hilfe der Sprache soll ein vielseitiges Bild der Geschlechter herstellt werden, indem alte bildhafte Auffassungen über die Geschlechter auch sprachlich aufzulösen sind. Auf Seite 14. ist im Magazin darauf hingewiesen, dass die Schulbücher die Geschlechterstereotype in der Mehrheit sprachlich transportieren und sie durch den häufigen Gebrauch auch manifestieren. Besonders gelte diese Behauptung für die Schulbücher im Mutterspracheunterricht und für die Lehrwerke der Fremdsprachenunterricht. Gerade der Muttersprache- und Fremdsprachenerwerb haben am meisten mit der sprachlichen Entwicklung eines Kindes zu tun, und wenn die tradierten Geschlechterbilder im Prozess des Muttersprache- bzw. Fremdsprachenunterricht im frühen Kindesalter verfestigt werden, muss man des Weiteren mit richtigen Vorurteilen kämpfen. Damit Vorurteile den Geschlechtern gegenüber nicht von Anfang an „konsumiert“ werden, muss auch beim Lehrbuchschreiben entgegengewirkt werden.

 

Um Überlegungen zum Thema Geschlecht und Vorurteile bzw. zum stereotypischen Sprachgebrauch in den Schulbüchern einzuleiten, ganz konkret zu den sprachlichen Gemeinplätzen, die dort vorkommen, wurde in Brüssel ein Programm zum zentralen Monitoring sowie zur Sensibilisierung von Verlegern und Herausgebern herausgearbeitet. Als eine der ersten Initiativen im Schulbuch-Monitoring aus Genderperspektive wurde zum Beispiel in Italien in Anknüpfung an das Brüsseler Basisprogramm das Polite-Projekt „Chancengleichheit und Schulbücher“ durchgeführt. Die Ergebnisse des Projekts stehen in Form von Wortlisten “Typisch Mann!/Typisch Frau!“ den Schulbuchverlegern zur Verfügung.  Auch in Deutschland und in Österreich wurden ähnliche Projekte durchgeführt. 

 

Besonders auf deutschsprachigem Gebiet wird viel getan, um im Unterrichtswesen dem sexistischen Wortgebrauch entgegenwirken zu können. Der Aktionsplan[19] der deutschen Bundesregierung zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen beschäftigt sich intensiv mit Sexismus in der Sprache und verbaler Aggression gegen Frauen. In Österreich wurde schon im Jahre 1995 ein Rundschreiben[20] vom Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur zum Unterrichtsprinzip zur Gleichstellung von Frauen und Männern an Landesschulräte, an pädagogische Akademien, an allgemeine pädagogische Institute erlassen,  in dem es zu lesen ist: beim Abbau von sprachlichen Sexismen spielt das Bewusstmachen von alltäglichen Formen von Gewalt und Sexismus in der Schule, am Arbeitsplatz, in den Medien usw. eine entscheidende Rolle. Beim Prozess des Bewusstmachens ist aber die Rolle der Sprache durchaus entscheidend: bei der Umsetzung des Unterrichtsprinzips muss darauf besonders geachtet werden, wie sprachlich formuliert wird. In Anlehnung wurden Unterrichtprogramme[21] zusammengestellt, derer Gemeinsamkeit auch darin besteht, dass Sprachgebrauch immer als vorrangiger Faktor zur Bewirkung der Chancengleichheit zwischen Mann und Frau tatsächlich im Vordergrund steht. In allen ausgearbeiteten erzieherischen Programmen wird betont: gerade in Kommunikation und Interaktion spielt das Geschlecht der Kommunizierenden eine bedeutende Rolle. 2002 kam das zweite ministerielle Rundschreiben[22] heraus, in dem die allgemeinen Richtlinien zur Vermeidung sexistischer Sprachformen mit dem neuen Aspekt der geschlechtergerechten Sprachverwendung ergänzt und ganz intensiv für die Bereiche des kulturellen und wissenschaftlichen Lebens spezialisiert wurden. Hier soll es hervorgehoben und betont werden, dass sich in den Jahren 2000-2002 ein Wendepunkt in der Geschlechterfrage und Geschlechterpolitik in Europa entfaltete. Die bisher erhobenen Richtlinien und Empfehlungen fokussierten auf die Frau und auf ihre sprachliche Darstellung. Der neue Aktionsplan erarbeitete eine sog. gendergerechte Thematik, d. h. eine Blickrichtung auf beide Geschlechter, eine auch Frauen und Männer berücksichtigende Sichtweise.                              

 

 

Obwohl die Schweiz kein EU-Land sei, wurde auf legislativer Ebene auch in der Schweiz beschossen, den Gebrauch einer geschlechtergerechten Sprache einzuführen, welche die Präsenz, den Status und die Rolle der Frau in der Gesellschaft fördert. Im Bereich der Gesetzes- und Verwaltungssprache haben der Bund und viele Kantonen und Gemeinden ihrer sprachlichen Situation entsprechenden Richtlinien verabschiedet, welche auf rechtlicher Ebene zwingend wirken. Ganz hervorragend ist das Projekt der Stadt Zürich (Büro für die Gleichstellung von Mann und Frau), in dem frauenfeindliche Werbung thematisiert wird. Ganz besonders werden die Werbetexte kritisiert, die die Frauen in doppeldeutigen Wortspielen darstellen und in denen die weibliche Sexualität auch sprachlich vermarktend signalisiert wird. Außerdem wurde ein schweizerischer Aktionsplan in Folgearbeit zur 4. UNO-Weltfrauenkonferenz herausgearbeitet (veröffentlicht in Bern 1999), in dem unter den Passagen zu Menschenrechten in Maßnahmen 5 und 12 mit ausführlicher Begründung dargelegt wird, warum die Anwendung einer nicht-sexistischen Sprachverwendung im nationalen sowie internationalen Kontext verbindlich sei. Nicht nur in sprachlichen Ratgebern und Handbüchern zur nicht-sexistischen Sprachverwendung zeigt sich die Wirkung des Gender Mainstreaming, sondern auch in Parteiprogrammen[23], universitären und mediengebundenen Stellungnahmen sowie in

 

Leitfäden verschiedener Vereine und Zivilorganisationen. Vom Belang ist zum Beispiel der Aktionsplan von der Fraunhofer Gesellschaft[24], der im Rahmen des 6. Forschungsprogramms der EU herausgearbeitet wurde. In diesem Leitfaden zur Anfertigung von Gender-Aktionsplänen wird der Sprache und dem Gender im Sprachgebrauch eine besonders starke Rolle beigemessen. Auf Seite 9. ist zum Beispiel zu lesen: In den Forschungsanträgen und Berichten sollte auch sprachlich zum Ausdruck gebracht werden, dass eine Bewusstseinsveränderung stattgefunden hat. Empfehlenswert ist, im Rahmen Ihres Projektantrags nicht nur männliche Sprachformen zu verwenden. Wird beispielsweise immer nur von Nutzern geredet, so suggeriert dies, dass es sich nur um Männer handelt, auf die die Forschungsergebnisse zugeschnitten werden. Lebenswelten und Bedürfnisse von Frauen kommen darin nicht zum Ausdruck. Die Projektanträge werden hauptsächlich in der englischen Sprache verfasst, die kaum eine Trennung zwischen weiblichen und männlichen Sprachformen zulässt. Eine Unterscheidung zwischen den Sprachformen sollte aber überall dort vorgenommen werden, wo sie sich anbietet.“ Diese Schrift plädiert für eine sprachliche Sichtbarmachung der Frau, und vertritt die Sprachkonzeption: durch explizite Nennung der Geschlechter lässt sich die sprachliche Gleichbehandlung und Gleichstellung der Geschlechter bewirken.  

 

In einem Merkblatt der Passauer Universität wird dagegen für den Gebrauch von geschlechtsneutralen Bezeichnungen und Formulierungen exemplarisch Stellung genommen. Hier werden im deutschen Sprachgebrauch die Umschreibungsformen generischer Maskulina, wie zum Beispiel die Verwendung der Lexeme Person und Mitglied favorisiert (z.B. statt Wähler und Wählerin: die Wählenden oder die wählende Person). Hier wird die Position angenommen, dass geschlechtsneutrale (d.h. Geschlecht nicht markierende) Formen die sprachliche Gleichbehandlung der Geschlechter intensiver und sprachlich unkomplizierter verwirklichen können, da es nicht vergessen werden kann, dass es dabei ganz wesentlich um die Beseitigung von Ungleichheiten und Hierarchien geht. Mittels sprachlich neutraler Formen lässt sich diese Zielsetzung eher realisieren, als durch die Geschlechtszugehörigkeit extra markierenden Formen, die die Frage der Hierarchie (Erstnennung, Zweitnennung) sowieso nicht umgehen können.

 

Die oben dargestellten sprachlichen Möglichkeiten repräsentieren aber Grundeinstellungen, sowie politische bzw. sprachpolitische Überzeugungen. Aus diesem Grunde ist eine gute Idee über geschlechterbewusste und genderbewusste Sprachverwendung zu sprechen. Eine geschlechterbewusste Sprechweise lässt in Wort und Schrift solche Formulierungen wählen, die beide Geschlechter ansprechen und in gleicher Weise sichtbar machen. Genderbewusste Sprachformen machen auch im Sprachgebrauch keinen Unterschied zwischen den Geschlechtern, und setzen sich für neutrale Bezeichnungen auch in Sprachen ein, in denen die Geschlechter sprachlich differenziert werden. Zurzeit gibt es in der EU Monitoringsprogramme[25], mit deren Hilfe in Zukunft darüber ein Bild gemacht werden kann, welche sprachliche Variante die Chancengleichheit eher garantieren kann.    

  

4.       Folgeeffekte in Ungarn und in der ungarischen Sprache

 

Auf die ungarische Sprachgemeinschaft sowie linguistische Ansätze wirkt ein wenig störend, dass in den auch oben zitierten Textbeispielen der europäischen Dokumentation zum Thema Sexismus in der Sprache nachdrücklich empfohlen wird, sexistische Sprache im öffentlichen Sprachgebrauch und auf legislativer sowie administrativer Ebene der Sprachverwendung zu vermeiden, dennoch wird dabei nicht klar (oder auch gar nicht) definiert, was als sexistische Sprachform gilt. Nach der Begriffsdefinition der Feministinnen sind sprachliche Mechanismen als sexistisch zu verstehen, die die Frauen in der Sprache unter die Männer unterordnen und die Frau auch mit sprachlichen Mitteln durch die symbolische Macht der Sprache unterdrücken (z.B. Bevorzugung des männlichen Pronomens im Fall einer Frau+Mann-Referenzsituation in Genus zuweisenden Sprachen; sprachliche Formen, die die Frauen aus dem referenziellen Bereich ausschließen; Bezeichnungen, die die Frau in Abhängigkeit vom Mann darstellen[26]). Im alltäglichen Sprachgebrauch empfinden Frauen aber auch solche Bezeichnungen sexistisch, die sie

herabsetzend (im Deutschen z.B. Tussi, im Ungarischen z.B. házisárkány (in der Bed. Hausdrache) oder ironisierend in traditionell abgewerteten Rollenklischees sehen lassen (im Deutschen z.B. Waschkönigin, im Ungarischen z.B. oldalborda (in der Bed. die bessere Hälfte). In Anlehnung an Pete[27] (1999) könnten im Ungarischen als sexistisch eingestuft werden:

1)      Frauen (bewusst?) ignorierender Sprachgebrauch: z.B. bei Begrüßungen und Anredeformen (nicht zuletzt wurde im ungarischen Parlament in einer Sitzung die Begrüßungsformel „Tisztelt uraim!“ (dt. Sehr geehrte Herren!) gebraucht, welche im Raum sitzende (wenige) Frauen total ignorierte).

2)       Frauen in Abhängigkeit vom Mann bezeichnender Sprachgebrauch: z.B. im Ungarischen gibt es ein Suffixoid (-), das am Familien- oder Vornamen des Mannes angehängt den verheirateten Status der Frau symbolisiert. (z.B. im offiziellen Sprachgebrauch Kis Istvánné, in mündlicher halboffizieller Situation abgekürzt zu Kis, vor allem in früherer (vereinzelt auch noch heute) familiärer oder freundschaftlicher Kommunikation angehängt an den Kosenamen des Mannes z.B. Jani, Gyuri).

3)      Frauen pejorativ bezeichnende, meist metaphorisierende Ausdrücke: z.B. ung. két lábon járó takarítógép (dt. eine zweibeinige Putzmaschine), ung. mosogatórongy (dt. Waschlappen),ung. asszonyállat (dt. Frauenzimmer).

4)      Frauen negativ darstellende Sprichwörter und Phraseologismen: z.B.  ung. Három asszony egy vásár oder die Variante ung. Egy lúd, két asszony egész vásár (dt. Drei Frauen und drei Gänse machen einen Jahrmarkt); beide Sprichwörter referieren auf die Klatschlust der Frau.

5)      In Auflistungen (also nicht in Anredeformen) steht meistens der Mann an der ersten Stelle: z.B. ung. Ádám és Éva, Rómeó és Júlia, (dt. Adam und Eva, Romeo und Julia).

6)      Bei Berufsbezeichnungen werden die femininen Formen von der sog. normbildenden, generischen Grundform abgeleitet: ung. tanár – tanár (dt. Lehrer-Lehrerin).          

In der schon ausführlich analysierten Stellungnahme des Ausschusses für die Rechte der Frau und Chancengleichheit des Europäischen Parlaments ist unter den Schlussfolgerungen der folgende Satz zu lesen: der Ausschuss „fordert nachdrücklich, dass sich die EU-Informationspolitik ebenfalls an die Frauen in den Beitrittsländern richtet; (…)[28].  Wie lässt sich das aber mit dem nicht-sexistischen Sprachgebrauch länderübergreifend in Einklang bringen, da die Sprachen der EU systemlinguistisch verschieden sind? Welche Konsequenzen ergeben sich für den Spezialfall Ungarn, dessen Sprache der finno-ugrischen Sprachfamilie angehört? 

 

Einige Erscheinungen in Bezug auf die Geschlechterfrage und Geschlechterpolitik lassen sich auch schon in Ungarn charakterisieren, die als eindeutige Folgeschritte des EU-Beitritts zu interpretieren sind. Unter diesen sprachlichen Erscheinungen gibt es welche, die schon im Beitrittskandidat-Status von Ungarn Präsenz hatten und seit dem Beitritt (1. Mai 2004) verstärkter präsent sind, während welche erst nach dem Beitritt mit einem sehr sporadischen Charakter auftauchten.

(1)                 Namenführung verheirateter Frauen[29]: Damit im Zusammenhang soll die Frage gestellt werden, ob das Suffxioid –, das sprachinterne, sprachspezifische suffixähnliche Element des Ungarischen, das die Funktion hat, Namen von verheirateten Frauen zu bilden, weiterhin routinenmäßig tradiert wird oder auch die ungarischen Frauen werden sich Namenführungsformen fremder Sprachen (z.B. Familienname des Ehemannes + Vorname der Ehefrau) intensiver anpassen? Nach neuesten Daten (z.B. Fercsik 2005) zeigt sich ein Trend zu dieser sog. indo-europäischen Namenführung letzter Zeit auch in Ungarn, und nicht nur Frauen in führender Position tragen ihren Namen in dieser Form, der soziale oder gesellschaftliche Stand der Frau lässt sich damit nicht mehr eindeutig in Zusammenhang bringen. Viel mehr geht es um Altersgruppen, die Namenführungsform „Familienname des Ehemannes + Vorname der Ehefrau“ ist bei jungen Frauen immer beliebter und viele Frauen nehmen an ihrem Namen nach der Heirat keine Änderung vor, sondern sie tragen weiterhin ihren „Mädchennamen“ (d.h. Geburtsnamen). Fercsik (2005) formulierte so, dass die Hegemonie vom Suffix – im heutigen Ungarischen eindeutig gebrochen sei. Mögliche Gründe für diese Veränderung in der Namenführung: (b) Die traditionellen mehrteiligen ungarischen Namenformen verheirateter Frauen bedeuten in fremdsprachlicher Kommunikation meistens eine Schwierigkeit. (2) Das Suffixoid –né zeigt die Frau in Abhängigkeit zum Mann. Diese Art der sozialen Positionierung ist mit dem Bild der modernen, jungen, selbstbewussten Frau nicht mehr in Einklang zu bringen.

(2)                 Feminisierung in Berufsbezeichnungen und Titulierungen: Nach der Sprachnorm sowie Sprachgefühl galt es bisher, dass nur im Fall feminisiert wurde, wenn es aus dem Kontext nicht eindeutig herausstellte, dass es von einer Frau die Rede war oder im Fall, wenn es nachdrücklich (oft aber auch pejorativ) betont war, dass über eine Frau geredet wird. Dagegen zeichnet sich heutzutage eine Feminisierungstendenz sowohl in mündlicher als auch in schriftlicher Kommunikation ab, unabhängig von den obigen zwei gängigen Sprachsituationen. Meistens wird es in den verschiedensten Textsorten der Tagespresse, in Stellenanzeigen, in den sog. Firmenpräsentationsbroschüren und im Allgemeinen in der Werbung feminisiert. Unter Feminisierungstendenz[30] wird verstanden, dass auf Frauen in ihren Berufs- und Tätigkeitsfeldern sowie in den von ihnen ausgeübten Positionen des Öfteren mit femininen Formen referiert wird. Mögliche Gründe für Feminisierung: (a) Die pejorative Konnotation, die sich an den Gebrauch femininer Formen knüpfte, verliert, wenn auch sehr langsam an ihrer Gewichtung. (b) Mit anderen Sprachen und Sprachkulturen in Kontakt tretend haben die Sprecher der ungarischen Sprachgemeinschaft auch die Erfahrung gemacht, dass es in anderen Sprachen oft feminisiert wird. (c) Die junge ungarische Generation weist intensivere fremdsprachliche Kenntnisse auf, und beim Fremdsprachenlernen wurden sie mit femininen Formen anderer Sprachen konfrontiert. (d) Bei Stellenangeboten und Firmenpräsentationsbroschüren wird fremdsprachlichen Kommunikationsformeln auch im Ungarischen Folge geleistet, wenn die Firma zum Teil oder ganz im ausländischen (z.B. deutschen oder österreichischen) Eigentum ist. (e) Oft geht es um Übersetzungen aus Sprachen, die Geschlecht differenzieren.

 

(3)                 Splittingformen im Anredefall: Am häufigsten kommt Splitting in der schriftlichen offiziellen Kommunikation vor, des besonderen im politischen und universitären Bereich. Das auf Männer referierende Lexem (ung. úr, dt. Herr) bildet zweifelsohne einen eindeutigen kommunikativen und grammatischen Fall, während der Bezug auf Frauen sowohl in der Sprachform als auch im Gebrauch viel schwieriger erscheint, da mehrere Referenzwörter in Frage kommen können (so z.B. ung. asszony (dt. in der Bed. Frau), ung. úrhölgy (dt. Dame, Lady), ung. úrnõ (dt. Frau, früher in der Bed. Gnädige, hochwohlgeborene Frau), ung. úrasszony (dt. Dame, früher in der Bed. Gnädige Frau). In einer Untersuchung hat Domonkosi (2002) so gefunden, dass im offiziellen Anredefall sowohl mündlich als auch schriftlich am meisten der Gebrauch von ‚asszony’ geprägt wird. Diese Form des Splittings (z.B. ung. Tisztelt Igazgató Úr/Asszony! dt. Sehr geehrte/r Direktor/Direktorin!) ist im Ungarischen keine neue sprachliche Erscheinung. Neu ist aber dagegen, dass die Formen (úrhölgy, úrasszony, úrnõ) in letzter Zeit wiedererweckt und in Gebrauch gebracht wurden, weshalb sie eher sporadische und ungewöhnliche Sprachformen im Splitting darstellen. Neulich wird nicht nur nach dem obigen gängigen Muster, sondern auch nach Mustern anderer Sprachen gesplittet. Meistens kommen diese neuen Splittingformen in Frauenmagazinen, in Stellengesuchen und Stellenangeboten vor. Sehr sporadisch sind bisher Splittingformen im Fließtext, häufiger sind sie in Anreden zu finden. Einige Beispiele: (1) ung. Manapság az ápoló(nõ)k sem a régiek már. (dt. Heute sind die Krankenpfleger(innen) auch nicht mehr so wie früher.); (2) ung. Kedves KollégaNõ! (dt. liebe/r KollegIn!); (3) Tisztelt képviselõ úrNõ! (dt. Sehr geehrte/r Abgeordnete/r!) Mögliche Gründe dieser Neubildungen sind in der unmittelbaren Befolgung fremder Muster zu suchen.  

(4)                 Soziale Positionierung der Frauen mit auf das Geschlecht referierenden Elementen:  Im Fließtest von vielen Reportagen aus der Tagespresse kann es neulich beobachtet werden, dass das Lexem asszony (dt. Frau) als Referenzwort mit dem Vornamen bzw. Familiennamen oder Tätigkeitsfeld bzw. Titel der Interviewten komplex vorkommt, und nicht nur dann, wenn es um die First Ladys geht. (z.B. Edit asszony a konyhában fogadott minket. / dt. Frau Edit hat uns in der Küche empfangen. Im Text wird das tagtägliche Leben einer durchschnittlichen, allein erziehenden Mutter vorgestellt.) Im alten ungarischen Sprachgebrauch kam diese Form mit dem Vornamen verkoppelt in privaten Gesprächen als respektvolle Anredeform für verheiratete Frauen vor, heute treffen wir sie längerer Zeit im offiziellen Sprachgebrauch als Anrede- oder Referenzform für Ehefrauen bekannter Personen, z.B. von Staatsmännern oder Politikern (z.B. ung. Az eseményen részt vett Mádl Dalma asszony is. / dt. An der Veranstaltung nahm auch Frau Dalma Mádl teil.). Neu ist es aber, dass diese Positionierung insbesondere in der Schriftsprache auch in Bezug auf die Durchschnittsfrau verwendet wird, während sie im mündlichen Sprachgebrauch weiterhin auf Frauen referiert, die gesellschaftlich hoch angesehen sind. Als eine immer häufiger vorkommende sprachliche Erscheinung gilt es im Fall von Titeln und Positionen (z.B. ung. Az államtitkár asszony a szerzõdést nem írta alá. / dt. Der Vertrag wurde von Frau Staatssekretär nicht unterzeichnet.). Diese Beispiele können auch als Interferenzen interpretiert werden, die durch Übersetzungen in die ungarische Sprache einschlagen, da viele ungarische Frauenmagazine Lizenzausgaben sind und natürlich auch die ungarische Nachrichtenagentur fremdsprachliches Quellenmaterial mit einbezieht.

(5)                 Aufrufe gegen Sexismus und sexistischen Sprachgebrauch: Immer mehr wissenschaftliche, populärwissenschaftliche Arbeiten aber auch Informationsblätter weisen auch auf das Thema Sexismus im Ungarischen hin. Zum Beispiel ein ganzes Heft der Publikationsreihe (Nõi ismeretek tára[31]) beschäftigt sich mit der sexistischen Darstellungsweise der Frau in der Werbung. Zivilorganisationen und Fraueninitiativen wehren sich in ihren Informationstexten gegen verbale Aggression den Frauen gegenüber immer stärker. Sie sprechen über die Art und Weise des offenen sexistischen Sprachgebrauchs im Kontext der verbalen Aggression und geben kommunikative Ratschläge für die Frauen, wie sie auf sexistisch ausgerichtete verbale Aggression zu reagieren haben. Im Informationsmaterial der Organisation NANE[32] steht zum Beispiel, dass verbale Ausdrücke sexistischen Inhalts als sprachliche Gewalt Frauen gegenüber zu interpretieren sind. Linguistische Aufsätze (z.B. Barát & Pataki & Pócs, 2004) analysieren sexistische und frauenfeindliche (bzw. antifeministische) Äußerungsinhalte in der Sprache der ungarischen Medienwelt, und mit der Methode der Gesprächsanalyse decken sexistische Sprachinhalte in der alltäglichen Kommunikation auf (z.B. Kegyesné Szekeres 2003). Diese Ansätze können auch dazu beitragen, dass sexistischem Sprachgebrauch auch bei uns entgegengewirkt werden kann.     

(6)                 Übersetzungen von Informationsmaterialien und Kampagne für sprachliches Gender Mainstreaming: In den Informationsbroschüren, die seit Ungarns EU-Beitritt ins Ungarische übertragen worden sind und in den Materialien, die im Zusammenhang mit dem europäischen Gender Mainstreaming in Ungarn angefertigt wurden, kann eine Tendenz zum geschlechtersensiblen Sprachgebrauch beobachtet werden, wonach bei den sprachlichen Formulierungen verstärkt darauf geachtet wird, dass im Text beide Geschlechter gleichermaßen angesprochen werden. Andererseits auf terminologischer Ebene ist zu bemerken, dass auch bei uns Wörterlisten bzw. Begriffslisten zusammengestellt werden, die einerseits beim Sensibilisieren zum geschlechtergerechten Sprachgebrauch, andererseits bei der Schaffung von  geschlechtergerechten Wörtern und Wendungen durchaus hilfreich sein können. Eine solche Initiative stellt die Broschüre ’100 szó az egyenlõségrõl[33] dar.  Eine Wörterliste linguistischen Ansatzes fehlt noch zurzeit, aber die Idee, eine solche auszuarbeiten, wurde schon mehrmals an Tagungen zum Thema gender formuliert.  Es ist deshalb vom Belang, weil das Thema nicht-sexistische bzw. gendersensible Sprachverwendung auf das Ungarische fokussiert mit linguistischen Methoden noch nicht genug intensiv bearbeitet wurde.                                   

 

Zusammenfassung

 

Im Konzept der gendergerechten Sprachgebrauchsfragen gibt es zwei mögliche sprachliche Verhaltensweisen: eine gendersensible und gender-blinde Alternative. In den EU-Staaten,

die seit der Gründung der EU daran mitgewirkt haben, auf Genderfragen in politischen und sozialen Ebenen zu fokussieren, ist auch bei der Benutzung vom gendersensiblen bzw. gendergerechten Sprachgebrauch in den Vordergrund getreten. In den neuen Beitrittsländern der EU und so auch in Ungarn beginnt erst jetzt die Fokussierung auf Genderfragen, unter anderem auf den nicht-sexistischen Sprachgebrauch in den Medien. Der Prozess der Sensibilisierung benötigt eine intensive Forschung zum Thema Geschlecht /Gender und Sprachgebrauch. Es kann in diesem Bereich behauptet werden, dass sich Ungarn und die ungarische (feministische) Sprachwissenschaft in den letzten 10 Jahren dem internationalen Forschungstrend der Genderlinguistik angeschlossen hat (Barát & Sándor 2005[34]). Es muss aber auch eingestehen werden, dass trotz einiger Ansätze und Initiativen die ungarische Sprachgemeinschaft in der Mehrheit eine gender-blinde Verhaltensweise im Sprachgebrauch zeigt. Die sprachlichen Erscheinungen, die sich zurzeit im Ungarischen in der Phase der Herausbildung befinden und über die in diesem Artikel berichtet wurde, sind nur teilweise angebrachte Sprachformen. Aufgrund einer intensiveren Sensibilisierung auf die sprachlichen Bezüge der Genderfrage kann mit der Entwicklung von neuen Sprachformen gerechnet werden, und es wird eine sprachpolitisch wichtige

 

linguistische Arbeit, die gendergerechten sprachlich-kommunikativen Wandlungen, die sich in manchen Bereichen der schriftlichen oder mündlichen Kommunikation bereits als ein Phänomen anzeigen, in eine Richtung voranzubringen, die in ihrer kommunikativen Auswirkung nicht nur geschlechtergerecht erscheine, sondern mit den zeitigen Sprachformen sowie internen Sprachregeln des Ungarischen auch nicht im Gegensatz stehe.      

 

Fachliteratur

 

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[1] s. Meyers Kleines Lexikon Psychologie, Bibliographisches Institut, Mannheim, 1986. 

[2] Handbuch zur rechtlichen Bekämpfung von Diskriminierung. Aktionsprogramm der Europäischen Gemeinschaft, Herausgeber: Internationale Organisation für Migration, Regionalbüro für die Baltischen und Nordischen Staaten, Kapitel I.: Hauptursachen und Folgen von Diskriminierung (S. 8-60) von Timo Makkonen (2003).

[3] Egalikon – Stichwörter zur Gleichstellung, diese Publikation erschien 1998 im Rahmen der Bulletrinreihe der Fachstelle für Gleichstellung von Frauen und Männern des Kantons Bern, aktualisiert 2002, kostenlos verfügbar in PDF-Version unter der Internetadresse www.egalikon.ch

[4] Diese Auffassung wird z.B. von Janet K. Swim, Kathryn J. Aikin, Wayne S. Hall und Barbara A. Hunter (2001, orig. 1995 in Journal of Personality and Social Psychologie, vol. 68. No. 2 199-214. ) vertreten.

[5] s. z.B. bei Hellinger (1990 im Anhang) englische und deutschsprachige Fassung der ersten Empfehlungen zur nicht-sexistischer Sprachverwendung 

[6] Beispiel von Butzkamm 1986

[7] s. in Begleitung mehrerer Beispiele Bußmann 1995.

[8] s. z.B. die Broschüre Europa für Frauen, Frauen für Europa, aus der Publikationsreihe „Gleichbehandlung von Frauen und Männern“, 2004. Von besonderem Belang sind aber die folgenden Dokumente: 76=207/EWG vom 9. Februar 1976, 85/C166/01 vom 3. Januar 1985, 84/635/EWG vom 13. Dezember 1984. 

[9] Resolution 24 C/14  2 (1), s. UNESCO-Broschüre, Pour un Langage Non Sexiste, S. 1 und Hellinger & Bierbach: Richtlinien für einen nicht-sexistischen Sprachgebrauch, Vorwort

[10] Empfehlung über die Beseitigung von Sexismus aus der Sprache, Empfehlung R [90] 4 des Ministerkomitees an die Mitgliedstaaten, vorläufige Fassung vom 21. Februar vom Ministerkomitee des Europarates angenommen, endgültige Fassung veröffentlicht am 6. Juni 1990, Straßburg. / s. zusammengefasst auch bei Grabrucker 1993

[11] Entschließung 20.5. der 28. Generalkonferenz der UNESCO, 25. Oktober – 16. November 1995. 

[12] KOM(2002)0350-C5-05062000-2002/2205 (INI), PE 323.534, AD/486756DE.doc

[13] AD/486756DE.doc S.4/5, auch http://europa.eu.int

[14] Hilfreiche Informationen sind unter folgender Internet-Adresse zu finden: www.gender-mainstreaming.net und www.egalikon.ch

[15] Aus Mitteilung der EU Kommission COM(96)/67, endgültige Textfassung

[16] Dies wurde im Dezember 1995 vom Rat der Entwicklungsministerien in einer Entschließung verabschiedet. In dieser Entschließung wird anerkannt, dass die Abschaffung der existierenden geschlechtlichen Disparitäten eine entscheidende Aufgabe in der allgemeinen Entwicklungspolitik der EU darstelle. Dies entspricht dem Zukunftsbild im Vertrag von Maastricht.  

[17] Soziologisch und soziolinguistisch relevante Definition des Gender bieten die verschiedenen Publikationen der Europäischen Kommission. Zum Beispiel in der Broschüre Frauen in der EU aus der Reihe Europa in Bewegung ist die folgende Definition des Gender zu lesen: „Gender (englisch: Geschlecht) bezeichnet die gesellschaftlich, sozial und kulturell geprägten Geschlechtsrollen von Frauen und Männern.“ (S. 3.) Im weiteren: „Der englische Begriff Gender bezieht sich auf eine geschlechtsspezifische Rollenzuweisung, mittels welcher weiblichen und männlichen Mitgliedern einer Gesellschaft unterschiedliche Arbeitsbereiche, Optionen und Möglichkeiten zugewiesen und bestimmte Erwartungen an sie gestellt werden.“ (S. 5) Diese klassische Aufteilungsidee der Geschlechtsrollen wird durch den Wortgebrauch Gender eben und bewusst in Frage gestellt. Mit der Gender-Konzeption wird die Stellung eingenommen, dass Geschlecht eine kulturell und sozial entwickelte Konstruktion sei, und nicht eine biologische Zuordnungskategorie.   

[18] Das Magazin. Bildung und Kultur in Europa. Ausgabe 25: Europa. Gleiche Chancen für Frauen und Männer. Herausgegeben von der Europäischen Kommission, Generaldirektion für Bildung und Kultur. Brüssel, 2000.

[19] Bonn, 1999, erarbeitet und herausgegeben vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

[20] Rundschreiben 1995-77. GZ. 15. 510/60. Präs. 3/95, Grundsatzerlass bm:bwk.

[21] s. Unterrichtprinzip zur Erziehung zur Gleichstellung von Frauen und Männern: Teil 1, Informationen und Anregungen zur Umsetzung in der Volksschule (Wien, 2001): hier werden die sprachlichen Formen zur Movierung im Deutschen systematisch dargelegt und geübt; Teil 2, Informationen und Anregungen zur Umsetzung ab der 5. Schulstufe (Wien, 2003): S. 51-61, S. 41-49. werden Kommunikationsstrukturen sexistischen Sprachgebrauchs beschrieben; Teil 3, Informationen und Anregungen zur Umsetzung in der Berufschule (Wien 2003): S. 15-65. werden die diskriminierenden Elemente der alltäglichen Kommunikation mit Arbeitsblättern bearbeitet, und die typischen weiblichen und männlichen Routinenformeln beim Vorstellungsgespräch abgebaut. Alle Teile herausgegeben von Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur. 

[22] Rundschreiben Nr. 22/2002 von Bundesministerin E. Gehrer vom 8. Mai 2002 zur sprachlichen Gleichbehandlung von Frauen und Männern im Bereich des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur

[23] Z.B. Im Grundsatz- und Bildungsprogramm des Verbands Sozialistischer Studentinnen und Studenten Österreichs steht: „Wir sprechen uns dezidiert für einen bewussten Umgang mit Sprache aus, denn Sprache schafft Bewusstsein und Bewusstsein schafft Sprache. (…) Grundsätzlich gilt: Sexistische Sprache ist die, die Frauen ignoriert und ausschließt, Frauen, immer in Abhängigkeit von Männern setzt, Frauen in traditionelle Rollen mit den so genannten weiblichen Eigenschaften und Verhaltensweisen darstellt, bzw. herablassend klassifiziert.“ (S. 42) Auch im Programm der Grünen (Österreich) ist der folgende Satz zu lesen: „Bildungsinhalte müssen von Sexismen befreit und in geschlechtergerechter Sprache verfasst werden. (Programm 2001, S. 46.)  

[24] Leitfaden für die Anfertigung eines Gender-Aktionsplans, Fraunhofer Gesellschaft, München 2005.

[25] Z.B. Bildungsmaßnahmen und Gender Mainstreaming. Leitfaden zur Berücksichtigung und Überprüfung der Geschlechterperspektive in Bildungsmaßnahmen der EU-Strukturfonds, herausgearbeitet vom Zentrum Frau in Beruf und Technik, 2001. Das Konzept richtet sich auf die Überprüfung von sprachlicher Chancengleichheit durch offene Fragebogentechnik. Z.B. Inwiefern gibt es ein geschlechtergerechtes Ansprachekonzept? oder Wird geschlechterneutrale Sprache in Werbetexten verwendet?  

[26] An Beispielen aus dem Deutschen und Englischen dargestellt s. z.B. Hellinger 1990 

[27] Im Folgenden erfolgt die Charakterisierung sexistischer Sprachfälle wie es beim István Pete (1999) zu lesen ist, aber in den Fällen 1-4. sind es eigens gesammelte Beispiele aus dem Ungarischen, während die Beispiele in den Fällen 5-6. von István Pete übernommen sind.

[28] AD/486756DE.doc S. 4/5.

[29] s. ausführlich im sprachhistorischen Überblick Kegyes (2001/2002)

[30] s. an vielen Beispielen erläutert Kegyesné Szekeres (2004).

[31] Nõi ismeretek tára. A nõk és a média.[Inventar von weiblichen Kenntnissen. Die Frauen und die Media.] (Hg. Andrea Meskó et al., herausgegeben vom Ministerium für Familie und Soziales) 1999.

[32] Die Organisation NaNe (die Abkürzung der Organisation bedeutet: Frauen für Frauen wirken zusammen gegen Gewalt) richtet ihre Kampagnen gegen jede Form der Gewalt aus. 

[33] 100 szó az esélyegyenlõségrõl. A férfiak és a nõk közötti egyenlõséggel kapcsolatos kifejezések szójegyzéke. [100 Wörter über die Chancengleichheit. Wörterliste der Ausdrücke im Bereich der Chancengleichheit zwischen den Frauen und Männern ] 2000. Herausgegeben vom Ministerium für Familie und Soziales.

[34] Invitationstext zur Konferenz “A nõ helye a nyelvhasználatban” [Die Stelle der Frau im ungarischen Sprachgebrauch], Szeged, 8-9. 09. 2005